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| title: Demokratie in der Klasse, Baustein 1 der Freinetpädagogischen Entwicklungsreihe by Andrea Wrulich und Inge Maier |
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| Titel: | Demokratie in der Klasse, Baustein 1 der Freinetpädagogischen Entwicklungsreihe |
| Autor: | Andrea Wrulich und Inge Maier | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Klagenfurt, in: Freinet Kooperativ Heft 5 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1999 | | |
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Text:
Freinetpädagogische Entwicklungsreihe – Baustein 1:
Demokratie in der Klasse (11. März 1999 – 13. März 1999)
Wie bereits in unserer letzten Ausgabe angekündigt, veranstaltet der Verein Kooperative Freinet gemeinsam mit dem Pädagogischen Institut des Bundes in Kärnten die freinetpädagogische Entwicklungsreihe. Nach den vielen vereinsinternen Gesprächen über das Warum? Wie? Wann? Wo? und die Ankündigung im PI-Programm warteten wir alle gespannt darauf, wieviel KollegInnen sich für diese Entwicklungsreihe interessieren und sich mit der Freinet-Pädagogik auseinandersetzen wollen.
Mehr als 60 KollegInnen bekundeten mit ihrer Anmeldung ihr Interesse. Wir waren ob der großen Interessentenschar sehr erstaunt, vor allem aber sehr erfreut. Die anfänglich geringer geplante Gruppengröße wurde verändert und mit nunmehr 34 TeilnehmerInnen wurde mit dem Baustein 1 "Demokratie in der Klasse" begonnen.
Da die freinetpädagogische Entwicklungsreihe zwei Jahre lang dauert, wird auch von jeder Teilnehmerin/jedem Teilnehmer ein Entwicklungstagebuch geführt, um den eigenen Entwicklungsprozess schriftlich festzuhalten. Dieses Tagebuch dient später auch als Grundlage für die Präsentation am Ende der freinetpädagogischen Entwicklungsreihe, da die KollegInnen aufgefordert sind, die Anregungen, die sie während der Entwicklungsreihe erhalten und die selbst aktiv erprobten und erlebten Arbeiten in den Ateliers in der eigenen Klasse umzusetzen, zu dokumentieren und zu evaluieren.
Meinungen und Eindrücke aus Baustein 1 "Demokratie in der Klasse":
Endlich konnte eine – lang ersehnte und letztlich hart erkämpfte - Fortbildungsveranstaltung am Donnerstag, den 12. März 1999 gestartet werden. Als wir das Ausbildungskonzept lasen, hat uns schon der Titel "Freinetpädagogische Entwicklungsreihe" besonders gut gefallen. Hier geht es nicht um die Vermittlung eines fertigen Konzeptes, sondern um die Vorstellung der freinetischen Grundprinzipien und die Möglichkeit der Umsetzung, die jeder nach seiner persönlichen Vorstellung gestalten kann.
Nach dem einführenden Gespräch und der formalen und bürokratischen Abwicklung stellten sich alle Teilnehmer kurz vor. Das Interesse an der Freinetpädagogik ist nicht nur im Volksschulbereich deutlich spürbar, sondern zeigt sich auch bei KollegInnen der Hauptschule, AHS und der Kindergartenpädagogik.
Nach der Vorstellungsrunde wurden die Teilnehmer mittels Zufallsprinzips – ziehen von Kärtchen – in zwei Stammgruppen geteilt, die dann jeweils von den beiden Referenten Pia-Maria Rabensteiner und Beate Traar mit den Eckpfeilern der Freinetpädagogik vertraut gemacht wurden. Der besondere Schwerpunkt dieses ersten Bausteines galt der " Demokratie in der Klasse". In sehr praxisbezogenen Vorträgen wurden die Kreisgespräche, wie Klassenrat, Morgenkreis und Präsentationsrunde erläutert. Es gab immer wieder Zeit für Fragen, Tipps und Berichte aus dem eigenen Unterricht.
Am Freitag schlossen sich die Teilnehmer zu Studiengruppen (4-5 Personen) zusammen, und diskutierten über die "Rechte der Kinder". Es entstanden sehr phantasievolle und kreative Plakate, die anschließend im Plenum präsentiert wurden.
Zum Abschluss sahen wir den Film "Freinet, des is was für alle Kinder", der uns Einblick in die Lebenswelt von Célestin Freinet gab und freinetorientierten Unterricht in verschiedenen Schulformen zeigte. Das gesellige Beisammensein kam nicht zu kurz, denn wir trafen uns zu einem gemeinsamen Abendessen, das nicht nur dem kulinarischen Genuss diente, sondern auch rege Diskussionen über freinetische Arbeitsweisen und deren Umsetzung im Unterricht entfachte.
Der Samstag begann mit einem Morgenkreis in der Stammgruppe. Eine Teilnehmerin übernahm die Diskussionsleitung und schrieb auch gleich ein Protokoll. Die Wortmeldungen zeigten, dass bei vielen ein Prozess des Vergleichens mit dem eigenen Unterricht und die Verarbeitung mit den neuen Informationen bereits begonnen hatte. Diese intensive Auseinandersetzung war für einige sogar "körperlich" spürbar. Auch unsere Referentin, Beate Traar, stellte fest, dass ein geplantes Konzept oft nur schwer durchführbar ist, wenn man es zulässt auf Fragen und Anregungen einzugehen. Da unsere Gruppe oft an praxisorientierten Ausführungen interessiert war, blieb für andere Punkte, die planmäßig vorgesehen waren, weniger Zeit.
Auch hier kamen wieder die freneitischen Prinzipien zur Anwendung:
Eingehen auf die Interessen der Gruppe, Wertschätzung jeder Meinung und die Offenheit in der anschließenden Reflexion. Natürlich mussten auch wir wissenschaftlich arbeiten. Drei pädagogische Texte standen zur Auswahl. In individuellen Gruppen wurden diese besprochen und deren Endergebnisse auf verschiedene Arten im Plenum vorgestellt. Diese Präsentation war für uns ein besonderes Erlebnis. Von Plakaten, Selbstdarstellungen gruppendynamischer Prozesse, bis zur pantomimischen Darstellung wurden uns die Inhalte der Texte auf vielfältigste Weise dargestellt. Da die Aufarbeitung der Texte den Gruppen sehr viel abverlangte, war das Ergebnis bei einigen emotionsgeladen, bei anderen wiederum sachlich orientiert. Auch diese Präsentationsrunde wurde von einer Teilnehmerin geleitet, die auch die anschließende Diskussion führte.
Danach wurde uns die Wochenplanarbeit vorgestellt, bei der die Kinder die Möglichkeit der persönlichen Gestaltung der Themen mitbestimmen können. Auch die Ämter, in Bezug der Selbstverwaltung der Klasse, wurden besprochen und anhand einiger Beispiele aus der Praxis dokumentiert. In den Pausen hatten wir die Möglichkeit in Büchern der Kindern zu lesen, in der reichlich vorhandenen Literatur zu schmökern und Karteikästen zu den vielfältigsten Themen durchzuschauen.
Zwischendurch war auch immer Zeit für die eigenen Tagebucheintragungen. Dieses Tagebuch wird nun unser ständiger Begleiter bei den Seminaren der freinetpädagogischen Entwicklungsreihe und auch bei unserer täglichen Arbeit in der Klasse sein. Hier kann die persönliche Umsetzung freinetischer Gedanken im eigenen Unterricht – deren Ergebnisse, Eindrücke, Erfolge und eventuelle Misserfolge schriftlich festgehalten werden.
Nach der "Kopfarbeit" wurde eine gemeinsame Jause hergerichtet und allen schmeckte das vielseitige Angebot an kulinarischen Genüssen, da jeder einen Beitrag dazu geleistet hatte. Auch hier gab es noch rege Gespräche und die Themen waren sehr vielfältig.
Im Schlussplenum waren die Wünsche und Anregungen der Teilnehmer gefragt.
Hospitationen in bereits bestehenden Freinet-Klassen
Hospitationen auch für HauptschullehrerInnen
Ein Fragebogen rundete das Programm ab, in dem wir eine kurze Reflexion unserseits kundgaben.
Für viele von uns beginnt nun – nach dem ersten Baustein der freinetpädagogischen Entwicklungsreihe eine Zeit des "Verdauens", des Nachdenkens und der Analyse des eigenen Unterrichtes. "Wie gestalte ich meinen Unterricht?" – "Kann ich einige freinetbezogene Inhalte in mein Unterrichtsgeschehen einbauen?" – "Will und werde ich meinen Unterricht verändern?" Wir glauben, dass gerade diese Fragen viele TeilnehmerInnen in der kommenden Zeit beschäftigen werden und freuen uns schon auf die Rückmeldungen und das nächste Zusammentreffen mit der Gruppe im Juni zum 2. Baustein der freinetischen Entwicklungsreihe.
Andrea Wrulich und Inge Maier; Sonderpädagogisches Zentrum 1, Klagenfurt
Schlagworte:
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| ID: 3101 | hinzugefügt von Jürgen an 20:42 - 22.11.2007 |
| title: Ma première "expérience" de classe en pédagogie Freinet ? by Gierlinger, Valérie Mag. |
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| Titel: | Ma première "expérience" de classe en pédagogie Freinet ? |
| Autor: | Gierlinger, Valérie Mag. | Sprache: | französisch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 4 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Ma première "expérience" de classe en pédagogie Freinet ?
Aout - septembre 1966 J'avais d'abord participé à un stage de pédagogie Freinet durant les vacances d'été et j'introduisis quelques "ateliers" dans ma classe dès la rentrée. Pourquoi? Dans ce cours préparatoire (1ère année d'Ecole Elementaire), il me semblait que les enfants ne faisaient rien d'autre que de la lecture et du calcul. Ces nouvelles activités (peinture, argile, découpages-collages, dessins libres sur le tableau) permettaient aux enfants de choisir librement leurs activités durant cette heure-là. Un planning quotidien en était fait et un bilan de travail. Cela me permettait aussi de gérer la différence de vitesse de travail des élèves: l'atelier de peinture était installé de facon permanente et pouvait accueillir quatre enfants qui avaient terminé l'activité imposée. Les élèves avaient aussi un bloc à dessin sur lequel ils dessinaient librement quand ils avaient du temps et qui permettait de trouver des "idées" pour les sujets de travail en peinture ou en collage.
Et puis la maitrise par la pratique de ces techniques permettait l'expression des élèves, donc une meilleure connaissance d'eux en tant qu'enfants - un tout autre rapport Enseignant/Enseigné. St. Loup, avril 1998
Schlagworte:
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| ID: 3091 | hinzugefügt von Jürgen an 02:33 - 22.11.2007 |
| title: Meine erste "Erfahrung" in der Schulklasse mit der Freinet-Pädagogik ? by Gierlinger, Valérie Mag. |
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| Titel: | Meine erste "Erfahrung" in der Schulklasse mit der Freinet-Pädagogik ? |
| Autor: | Gierlinger, Valérie Mag. | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 4 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Meine erste "Erfahrung" in der Schulklasse mit der Freinet-Pädagogik ?
August - September 1966 Ich hatte zuerst an einem Seminar über Freinet-Pädagogik während der Sommerferien teilgenommen und führte einige "Arbeitsstationen" in meiner Klasse ab Beginn des Schuljahres. Warum?
In dieser Erstklasse (N.B. des Übersetzers: in Frankreich gibt es fünf Jahre Volksschule) schien es mir, daß die Kinder an nichts arbeiten außer Lesen und Rechnen. Diese neue Aktivitäten (Malen, Arbeiten mit Tonerde, Schneiden-Kleben, Freizeichnen an der Tafel) erlaubten den Kindern, ihre Aktivitäten während dieser Stunde frei auszusuchen. Eine tägliche Planung wurde erstellt sowie eine Bilanz der Arbeit. Dies erlaubte mir auch, den Geschwindigkeitsunterschied der Schüler bei der Arbeit besser zu managen; die Aktivität Malerei war eine Dauereinrichtung und jederzeit zugänglich. Sie konnte vier Kinder aufnehmen, die mit ihrer Pflichtarbeit fertig waren. Die Schüler hatten auch einen Zeichenblock, auf den sie frei zeichnen konnten, sobald sie Zeit hatten. Dieser ermöglichte hier, "Ideen" für die Arbeitsthemen in Malerei oder Klebe-Atelier zu finden. Und die Beherrschung durch die Praxis dieser Techniken erlaubte den Schüler, sich auszudrücken, also eine bessere Kenntnis dieser Schüler als Kinder - ein ganz anderes Verhältnis Lehrer/Schüler !.....
St. Loup, April 1998 Originaltext von Michèle Habert verfaßt, Volksschul- und Kindergartenlehrerin aus Frankreich. Beginn der Karriere im Herbst 1961 als Volksschullehrerin in Chéroy (Frankreich). Seit zwei Jahren im Ruhestand.
Übersetzt von Mag. Valérie Gierlinger (Tochter), seit 1982 in Österreich wohnhaft.
Schlagworte:
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| ID: 3092 | hinzugefügt von Jürgen an 02:35 - 22.11.2007 |
| title: Klassenrat in der M9 by Hopfgartner, Isabella |
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| Titel: | Klassenrat in der M9 |
| Autor: | Hopfgartner, Isabella | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Klassenrat in der M9
In der M9 – Klasse der Heilstättenschule 2 sind sechs Schüler und zwei Schülerinnen, die die achte Schulstufe besuchen. Sie werden nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet, doch es bedarf in vielen Bereichen aufgrund ihrer Lernbeeinträchtigungen einer inneren Differenzierung.
Jeden Montag pünktlich um 9 Uhr, wenn alle SchülerInnen da sind, versammelt sich die Klasse zu einer Sitzung: den Klassenrat. Dieser ist fixer Bestandteil unserer Arbeitswoche.
Ein/e SchülerIn ist ProtokollführerIn und trägt die Beschlüsse und Tagespunkte in unser Protokollheft ein. Ein/e andere/r ist für den Klassendienstplan zuständig. Weiters gibt es eine Pinwand, wo die SchülerInnen ihre Wünsche, Beschwerden und Ideen anheften können. Auch diese werden bei der Besprechung behandelt.
Den Vorsitz übernehme ich in der Klasse. Vorher stelle ich die Tagesordnungspunkte zusammen. Ich achte auf die Einhaltung der Gesprächs- und Diskussionsregeln und erteile den einzelnen SchülernInnen das Wort.
Zuerst werden die Klassendienste eingeteilt. Aufgrund der Lernmaterialien in den Regalen, der Bücherecke, der Botendienste, der Pflanzen und zeitweise aufgrund eines Terrariums für eine Schlange in der Klasse ist es notwendig, regelmäßig aufzuräumen. Jede Woche übernehmen die SchülerInnen kooperativ Verantwortung für diese Aufgabenbereiche, die in der Klasse erledigt werden müssen.
Ein weiterer Punkt unserer Sitzung ist die gemeinsame Planung über das, was in dieser Woche zu tun ist. Die SchülerInnen bestimmen die Wahl der Wochenthemen, Exkursionen, Projektarbeiten, Freiarbeit und Arbeitseinteilung mit. Sie machen Vorschläge und bringen Ideen ein. Jede/r darf ihre/seine Meinung zu einem Thema, zu einer Sache äußern. Gegenstimmen müssen immer angehört werden. Bei Abstimmungen zur Beschlußfassung gilt die Stimmenmehrheit. Die Beschlüsse werden ins Protokollheft eingetragen.
Ein weiterer Bereich des Klassenrates deckt die emotionale und soziale Situation der SchülerInnen in der Klasse ab. Sie dürfen Schwierigkeiten bei der Arbeit, Störungen und Konflikte offen aussprechen. Gemeinsam versuchen wir Lösungen zu finden, die ein angenehmes Arbeiten in der Klasse für alle ermöglichen. Dabei lernen die SchülerInnen, einander zuzuhören und miteinander zu reden. Beim Gespräch selbst wird darauf geachtet, daß jede/r den/die Mitschüler/in direkt anspricht. Die Persönlichkeit und Individualität jedes einzelnen muß geachtet werden. Eigene Erfahrungen und Gefühle dürfen ausgesprochen werden und müssen von den anderen akzeptiert werden. Dies gilt nicht nur für die SchülerInnen, sondern genauso für mich als Lehrerin.
Die SchülerInnen organisieren somit über den Klassenrat ihre eigene Klassengemeinschaft, erlernen und erfahren demokratische Muster und Handlungsabläufe, erarbeiten eigene demokratische Regeln und Arbeitsweisen. Sie schaffen sich die kooperierende Gemeinschaft selbst.
Der/die ProtokollführerIn wiederholt nochmals die Beschlüsse der Sitzung und unterzeichnet mit seinem/ihrem Namen. Die Sitzung ist beendet. Die Pause haben wir uns verdient.
Isabella Hopfgartner
Klassenlehrerin der M9 – Klasse der Heilstättenschule 2 in Klagenfurt
Schlagworte:
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| ID: 3088 | hinzugefügt von Jürgen an 02:19 - 22.11.2007 |
| title: Freinet-Pädagogik in der Polytechnischen Schule by Kraiger, Daniela |
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| Titel: | Freinet-Pädagogik in der Polytechnischen Schule |
| Autor: | Kraiger, Daniela | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Freinet-Pädagogik in der Polytechnischen Schule
Schon im ersten Satz der "Allgemeinen didaktischen Grundsätze" aus dem Lehrplan der Polytechnischen Schulen (PS) lautet: "Der Unterricht geht von den Erfahrungen, dem Bildungsstand und der persönlichen Lebenssituation der Schüler aus." ... und weiter: "Bei der Verwirklichung des Lehrplans und zum Erwerb der individuell am besten zu nützenden Lerntechniken sind abwechslungsreiche Arbeits-, Interaktions- und Unterrichtsformen anzuwenden, wie auch verschiedene Unterrichtsmittel und in besonderer Weise neue technische Medien zweckmäßig einzusetzen."...und noch viele andere schöne Worte mehr. Erinnert das nicht irgendwie an etwas? Etwas Besonderes? An Adler vielleicht? Ans Treppensteigen? An Individualität? Reformen? Alternativen? TATSACHEN?
Ist es nicht herrlich in einem ganz "normalen" Lehrplan Dinge zu lesen, die in reformpädagogischen Klassen Schwerpunkt sind? Nämlich die individuelle Eigenart des Kindes (in der PS der Jugendlichen) und eine sich ständig wandelnde Gesellschaft, der wir gerecht werden müssen, wollen wir leben können wie wir wollen. Kein Lehrplan dieser Welt wird diesen beiden Faktoren jemals wirklich so nahe kommen wie die Realität an sich. Das, was wir können, ist, die natürlichen Entwicklungsphasen des Kindes (Jugendlichen) so zu unterstützen, dass es sich selbst vertraut, sich in Beziehungen zu anderen einlässt, Initiativen und Eigenverantwortung trägt und Achtung erfährt.
Der Alltag der Schule hat uns oft viel zu schnell eingeholt, um diese Pädagogik wirklich durchzuführen. Dennoch wage ich zu behaupten, dass ich es ab und zu -zumindest- versuche. Es ist ja auch zugleich für mich ein Entwicklungsprozess, den ich erlerne. Ich stehe ungefähr auf der Stufe, die ersten Schritte zu machen. Natürlich hilft mir hierbei die Gesellschaft der Mitglieder unseres Vereins und meine Ausbildung über den Verein Maria Montessori. Genau dieser Zuspruch ist es, der mich auch oft dann weitermachen bzw. neu starten lässt, wenn ich glaube, dass ich von der Treppe nicht nur gepurzelt bin, sondern es gibt sie gar nicht - diese Treppe, auf der ich steigen, fliegen, hüpfen,...könnte.
Die Schwierigkeit des Anfangens ist der Beginn. Wie, wo, wann ...? Kein Klassenraum, keine ständige Stunden, keine Materialien,... Die SchülerInnen sind auch eher skeptisch denn angetan. Na gut, was also weiter? Überhaupt weiter? Natürlich...
Ich habe das Glück eine Gruppe montags in der ersten Stunde und freitags in der letzten zu unterrichten (äh zu begleiten). Also gibt es den Morgen- und den Abschlusskreis. Sie nehmen es verschieden auf. Sie kennen diese Art nicht, sie bezweifeln die Sinnhaftigkeit, den Effekt. Aber nach und nach wird es ihnen zur lieben Einrichtung. Schön war der Satz einer Schülerin, als ich einmal vertreten werden mußte, als ich zurückkam: "Wir machten nicht einmal einen Morgenkreis." Somit hatte ich meine Antwort auf viele zweifelnde "Warum"s? des Morgen- und Abschlusskreises. (Nicht unbedingt zu verwechseln mit dem Klassenrat, denn bei uns werden ausschließlich Themen zu unserer Gruppe, unserem Umkreis und unserem Zusammensein innerhalb der Gruppe, die nicht gleich der Klasse ist, besprochen.)
Wunderbar stellte ich mir natürlich den Aspekt der freien Wahlmöglichkeit vor - aus eigenem Antrieb aktiv werden und so. Der Wochenplan zog in unsere Unterrichtseinheiten ein (dann lange wieder aus, jetzt wieder ein.). Eine Gruppe war glücklich so arbeiten zu können. Sie hatten Spaß und Freude (und Spaß mit Freunden), sie schafften es auch tadellos. Doch sie wollten eine Belohnung. - ? - Ja, eine Belohnung - und hier steht das pädagogische Konzept "weg mit der Ziffernnote" kurzzeitig still - in Form einer Note. (Strahlende Gesichter überall, denn sie waren wirklich gut!) Die anderen Gruppen waren weniger erfreut und sahen sich einfach überfordert. All meine Erklärungen, Hilfestellungen,... nutzten nichts. Nein, sie wollen so nicht arbeiten. Adieu, Wochenplan! (Nach den Ferien starte ich einen neuen Versuch, diesmal mit einem neuen Trick!?)
Das, was sie gerne erleben, sind Ausdrucksformen mit Hilfe ihrer Sprache, Gestik und Mimik. Sie werden richtig lebendig, wenn es ums Gedichteschreiben, Texte verfassen, Rollenspielerarbeitungen,... geht. Denn all ihre Fragen zur Gesellschaft, zum Miteinander, manchmal auch Gegeneinander brennen ihnen unter ihren Nägeln, und hier dürfen sie aus sich rausgehen - ohne Rotstiftmorde fürchten zu müssen. Und aus ihrer Erfahrungswelt heraus finden sie auch oft durch diese Aufarbeitung die Antworten selbst.
Ich bin gerne an der Polytechnischen Schule, ich bin froh mit meinen SchülerInnen arbeiten zu können, bin glücklich mit meinem Kollegium und freue mich tagtäglich auf die Schule (im Gegensatz übrigens zu meiner Schulzeit als Schülerin). Auch wenn nicht immer alles gut geht, auch wenn ich manchmal alles hinwerfen möchte, auch wenn mich meine SchülerInnen manchmal launisch erleben, auch wenn ich manchmal unerträglich bin, so möchte ich doch nur einfach ich bleiben können, und vielleicht der/m einen oder anderen Schüler/in zu gerade diesem - ihrem - Ich eine Begleitung für kurze Zeit sein.
Schlagworte:
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| ID: 3084 | hinzugefügt von Jürgen an 02:09 - 22.11.2007 |
| title: Gedanken einer Hauptschullehrerin zur Feinet-Pädagogik by Kraxner, R. Klaudia |
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| Titel: | Gedanken einer Hauptschullehrerin zur Feinet-Pädagogik |
| Autor: | Kraxner, R. Klaudia | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 4 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Gedanken einer Hauptschullehrerin zur Feinet-Pädagogik
Nach zweijährigem Karenzurlaub kehrte ich voll des Tatendranges zurück in meinen Lehrberuf und übernahm eine Integrationsklasse in den Fächern Deutsch und Englisch. Kein Problem, dachte ich als typische Frontal- und Alleinunterrichtende: Der Integrationslehrer übernimmt seine SchülerInnen und geht in eine andere Klasse. Gleich in den ersten Unterrichtsstunden wurde mir aber klar, dass damit I-SchülerInnen nicht integriert, sondern abgesondert würden. Herr Franz, unser I-Lehrer machte mich mit dem Wesentlichen der Integration vertraut. In kleinen Schritten zeigte er mir Wege und Möglichkeiten, gemeinsam als Team in unseren Gruppen aufzutreten und die SchülerInnen auf offenes und freies Arbeiten vorzubereiten. Erst in dieser Zeit hörte ich erstmals den Namen Freinet. Im Rahmen einer Konferenz besuchten wir Lehrer und Lehrerinnen der Hauptschule 1 in Klagenfurt Kollegin Mag. Pia-Maria Rabensteiner in ihrer Volksschulklasse und konnten ihre Arbeit nach den Grundsätzen Freinets kennenlernen. Neugierig geworden, meldete ich mich bei ihrem Seminar am Ossiachersee an und nach drei Tagen erweiterte und intensivierte ich mein Wissen über die Freinet-Pädagogik. Mein Selbstbewußtsein aber in die Praxis umzusetzen war ein langer Weg.
Ich mußte erst lernen, mich selbst als Lehrerin zurückzunehmen, um dann in entscheidenden Momenten wieder präsent zu sein. Auch unsere SchülerInnen waren es nicht gewohnt, selbständig nach Wochenplan zu arbeiten und ihre Zeit richtig einzuteilen. Im Sesselkreis, wenn auch nicht regelmäßig stattfindend, werden Erfreuliches, Probleme und auch neue Wochenpläne besprochen. Hier zeigt sich für mich, was Freinet erreichen wollte: Freude am Lernen, Selbständigkeit, Mitspracherecht, Entscheidungsfreiheit, Verantwortlichkeit.
Reformpädagogischer Unterricht bedeutet für uns LehrerInnen sehr viel Vorbereitungsarbeit (Erstellen von Wochen- oder Stationenplänen, Herstellen von Lern- und Arbeitsmaterialien, Auswahl von Arbeitsblättern u. v. m) Wenn ich aber sehe, mit welchem Eifer, mit welcher Freude und schließlich auch wesentlich - mit welchem Erfolg die Lernziele bearbeitet und erreicht werden - dann weiß ich: diese Arbeit lohnt sich. Nach den Grundsätzen Freinets zu unterrichten, bereitet schließlich nicht nur den Schülern sondern auch mir große Freude.
R. Klaudia Kraxner, HS 1 Klagenfurt
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| ID: 3093 | hinzugefügt von Jürgen an 02:37 - 22.11.2007 |
| title: ... und vergiss bitte nicht, zu Hause den Elternbrief zu zeigen! by Lichtenegger, Barbara |
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| Titel: | ... und vergiss bitte nicht, zu Hause den Elternbrief zu zeigen! |
| Autor: | Lichtenegger, Barbara | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 5 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
"... und vergiss bitte nicht, zu Hause den Elternbrief zu zeigen!"
Diese oder ähnlich lautende Aufforderungen, die aufgrund ihres Tonfalls manchmal eher einer Beschwörungsformel glichen als einer nachdrücklichen Bitte, begleiteten in unserem Hort lange Zeit das Austeilen der monatlichen Elterninformation-Briefe an die Hortkinder. Gewöhnlich wurden die Kinder dann vor dem Heimgehen von der Horterzieherin noch einmal an diesen Auftrag erinnert - und trotzdem erreichten nie alle Elternbriefe auch wirklich ihre Adressaten. Da unsere wöchentlich zur Verfügung stehenden Besprechungszeiten kurz sind und uns neben den allgemein wichtigen beziehungsweise akut-aktuellen Themen nur wenig Zeit für scheinbar "Nebensächliches" bleibt, das Suchen nach möglichen Gründen für das Nicht-Ankommen der Elternmitteilungen jedoch konstant als Thema in Teamsitzungen wiederkehrte, begann ich mir folgende Fragen zu stellen:
Warum schreibe ich eigentlich Elternbriefe? Was will ich damit erreichen?
Wie wichtig ist es mir, dass alle Horteltern diese Mitteilungen lesen?
Wie wirkt es sich aus, wenn viele / manche / wenige den Brief nicht lesen?
Als Leiterin habe ich nicht ständigen Kontakt zu allen Horteltern. Durch den Elternbrief möchte ich vermitteln, dass ich an einem kontinuierlichen Kontakt interessiert bin.
Ich kann - theoretisch - alle Eltern zum gleichen Zeitpunkt erreichen, was das Durchführen von - den gesamten Hort betreffenden - Umfragen oder Erhebungen wesentlich erleichtern hilft, das heißt, es spart nicht nur Zeit, sondern ist auch kräfteschonender, als das zig-male Text-wiederholen.
Das Mitteilen allgemein wichtiger Termine, Anliegen, Informationen und organisatorischer Veränderungen ist mein Versuch, den Schlagwortbegriff "transparente Leitung" in die Tat umzusetzen.
Die Formulierung ist für alle Eltern gleich gewählt, mißverständliche Tonfalls-Interpretationen - wie sie bei Gesprächen schnell aufkommen können - lassen sich dadurch besser umgehen.
Natürlich wäre es mir wichtig, wenn ich möglichst viele Eltern erreiche - wenn ich wirklich alle Eltern - zum Beispiel für eine Umfrage - brauche, ist mir jedoch klar, dass es eines zusätzlichen persönlichen Einsatzes bedarf.
Bei dringenden Anliegen bleibt mir nichts übrig, als entsprechend viele Einzelgespräche zu führen oder die Horterzieherinnen um Mithilfe zu bitten, was ich aber speziell für Organisationsangelegenheiten allgemeiner Art weniger gerne mache, da die Horterzieherinnen erstens mit den Kindern genügend zu tun beziehungsweise zweitens ohnehin ihre gruppeninternen Informationen mit den Eltern alleine zu regeln haben.
Was könnten mögliche Gründe dafür sein, dass Kinder einen Elternbrief zu Hause nicht "auspacken"?
Weil sie - zu Hause angekommen - endlich Ruhe haben wollen einfach darauf vergessen sich mit anderen Dingen beschäftigen wollen nicht wissen, warum es für uns / für mich wichtig ist, dass ihre Eltern die Mitteilung erhalten nicht wissen, dass manche Mitteilungen auch für sie selbst wichtig sein könnten schlechte Erfahrungen mit Elternmitteilungen haben froh sind, dass sie niemand auf Hort / Schule / Tagesablauf anspricht aufgrund anderer Verpflichtungen keine Zeit dafür finden alleine zu hause sind usw.
Diese Überlegungen brachten mich auf die Idee, die Kinder künftig
besser über den Inhalt eines Elternbriefes, sowie über dessen Wichtig- bzw. Dringlichkeit zu informieren in den Schreib- und Gestaltungsprozess eines Elternbriefes miteinzubeziehen
Wir schreiben gemeinsam einen Elternbrief
Nach Absprache mit meinen Kolleginnen, ging ich von Gruppe zu Gruppe underzählte den Kindern, dass sie ab nun den Elternbrief mitgestalten könnten. Ich vermied es extra, von Schreiben zu sprechen, da ich befürchtete, dass sich entweder die jüngeren Kinder ausgeschlossen fühlen könnten oder alleine der Begriff schreiben den einen oder die andere - aus Gründen, die ich hier nicht näher erörtern möchte - vom Mittun abhalten würde. Mit den gestaltungsinteressierten Kindern verabredete ich einen Treffpunkt in einem Extraraum. Zum ersten Treffen kamen elf Kinder, mit denen ich das Vorhaben näher besprach. Als Thema vereinbarten wir "unser Kinderhort". Alle konnten sich bis zum nächsten Tag überlegen, was ihm/ihr Spaß machen würde, als Beitrag zum Elternbrief des Monats beizusteuern. Die Aussicht, dass jede Arbeit veröffentlicht werden würde, erwies sich als zusätzlicher Ansporn. Außerdem versprach ich den Kindern, ihre Beiträge im Elternbrief ausführlich anzukündigen.
Auszug aus dem Elternbrief:
""Den Kindern das Wort geben" war eine der pädagogischen Überlegungen und Intentionen des französischen Pädagogen Celestin Freinet. Neben M. Montessori und R. Steiner gehörte er zu den großen Reformpädagogen unseres Jahrhunderts. "Den Kindern das Wort geben" bedeutete für ihn einerseits, das Interesse der Kinder an der gesprochenen und geschriebenen Sprache zu wecken. Andererseits gehört dazu auch, als Erwachsener interessiert zu sein an der Sprache und Schrift der Kinder.
Als Leiterin dieses Kinderhortes betreue ich zwar keine "eigene" Gruppe mehr, doch ist mir sehr daran gelegen, "den Kindern das Wort zu geben". Daher möchte ich ein gruppenübergreifendes Projekt starten, das (zunächst einmal) den monatlichen Elternbrief betrifft. Bei einer Umfrage im Hort haben sich elf Kinder (Melanie, Sandra, Christina, Bianca, Madlen, Dani, Marco, Anna, Florian, Michael und Lisi) in eine Elternbrief-Redaktionsgruppe gemeldet, die mit verschiedenen Beiträgen zum Thema "Hort" den Elternbrief bereichern helfen möchten.
Ich kann mir vorstellen, dass diese elf Kinder, genau so wie ich sehr gespannt warten, ob es Rückmeldungen von Ihrer Seite auf diesen "neuen" Elternbrief geben wird."
Hier einige Beispiele des ersten Ergebnisses:
"Heute hat mein Papa eine neue Arbeit bekommen." Kuijtim
"Wir, Anna, Dani und Liesi, machen heuer wieder beim Straßenfest mit! Wer will uns verkaufen helfen? Wer das will, soll sich bitte bei uns melden! Das Straßenfest findet am Samstag, dem 27. Juni statt. Unser Stand ist dann neben dem Hortstand! Wir machen im Hort jeden Tag verschiedene Zeichnungen. Diese Zeichnungen werden wir als Billets und Lesezeichen verkaufen."
"Mir gefällt es im Hort sehr gut. Bald feiern wir wieder das Straßenfest. Die Kinder meiner Gruppe zeichnen und basteln schon eifrig dafür. Wir haben jetzt ein kleines Gartenhäuschen und vier kleine Hupfpferdchen bekommen." Sandra.
Einen 2.Klasser, den die Motivation verließ, versuchte ich, mit der Aussicht seinen Satz auf meinem Computer schreiben zu dürfen, zu bewegen, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es gelang.
"Ich möchte mit Philipp in einer Gruppe sein." Marco
Da die Zeichenmotivation im ersten Versuch höher war als die Lust zu schreiben, ging ich im Monat darauf von Gruppe zu Gruppe und fragte, was die Kinder denn gerne anderen Eltern durch den Elternbrief mitteilen würden. Aufgrund zeitlicher Gedrängtheit bot ich an, ihre Beiträge zu tippen. Durch dieses Angebot bekam ich vor allem Beiträge von jüngeren Kindern, die jedoch darauf bestanden, dass ihr Name dazugeschrieben wurde.
Kurz vor den Ferien fragte ein Mädchen nach, ob sie beim letzten Elternbrief des Hortjahres mitmachen dürfte. Als ich ihr zusagte, zog sie hinter ihrem Rücken einen fertigen kleinen Artikel hervor.
Barbara Lichtenegger
Schlagworte:
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| ID: 3100 | hinzugefügt von Jürgen an 03:19 - 22.11.2007 |
| title: Freinet-Pädagogik im Hort by Lichtenegger, Barbara |
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| Titel: | Freinet-Pädagogik im Hort |
| Autor: | Lichtenegger, Barbara | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Freinet-Pädagogik im Hort
Miteinander auswendig lernen
Neben der familienergänzenden und freizeitgestaltenden Funktion hat der Hort auch die Aufgabe, die Kinder schulbegleitend anzuleiten. Diese schulbegleitende Tätigkeit nennen wir im Hort Lernstunde, Lernphase oder Lernzeit.
Mein Bestreben als Horterzieherin ist es die Kindern erfahren zu lassen, dass durch konzentriertes Arbeiten in dieser Lernphase im Anschluß noch genügend Zeit zum Spielen bleibt. Lernlustige, selbständige und besonders eifrige Kinder kommen meist problemlos zu ausreichender Spielzeit. Derart gut motivierte Kinder sind in vielen Kindergruppen jedoch eher Ausnahmefälle.
Ich habe im Laufe meiner Arbeitspraxis aber die Erfahrung gemacht, dass auch Kinder trotz Lernschwächen, Lern-Lustlosigkeit oder Lernwiderständen zu einer effizienteren Arbeitshaltung und in der Folge in den Genuß verlängerter Spielzeiten kommen können - mithilfe geeigneter Lerntechniken.
Aus dem umfangreichen Gebiet verschiedener Hausübungs-Aufträge möchte ich das Auswendiglernen von Gedächtnisübungen oder Gedichten herausnehmen und eine Technik beschreiben, die den Kindern lustvollere Zugänge ermöglicht und dadurch die Lernzeit verkürzen hilft.
Memo-Technik: Texte be-bildern und Assoziationen verbildlichen
Die Idee besteht darin, zu jedem Wort, Satz oder Absatz ein entsprechendes Symbol bzw. Bild oder ein persönliches Assoziationsbild aufzuzeichnen.
Die einzelnen Bilder werden entweder auf einzelne Kärtchen oder alle gemeinsam auf ein Blatt gezeichnet. In der Reihe der Bilderfolge wird der Text nun wiederholt. Nach einigen Durchläufen wird ein Bild nach dem anderen abgedeckt oder weggenommen. Auf diese Weise wandern die Bilder in den Kopf.
Besonders bei den verbildlichten Assoziationen machen die Kinder die interessante Erfahrung, dass bei dieser Arbeit nichts falsch sein kann, da es sich immer um die persönlichen Bilder der Kinder handelt und dass ein derart "geschriebener" Text von niemandem Fremden gelesen werden kann.
Schlagworte:
fr_koop-3
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| ID: 3085 | hinzugefügt von Jürgen an 02:12 - 22.11.2007 |
| title: Geburtstag feiern im Hort by Lichtenegger, Barbara |
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| Titel: | Geburtstag feiern im Hort |
| Autor: | Lichtenegger, Barbara | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 4 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Geburtstag feiern im Hort
"Happy birthday to you, ..." und "Hoch sollst du leben! ..." sind wohl die beiden bekanntesten Geburtstagslieder, die einem Geburtstagskind - ob zu Hause, im Kindergarten oder im Kinderhort - vorgesungen werden.
Mit jemandem Geburtstag zu feiern, bedeutet, sich gemeinsam am Dasein dieses Menschens zu freuen, ihn und seine Person durch eine kleine Feier für eine bestimmte Zeit ganz besonders in den Vordergrund zu stellen und somit aus der Menge der anderen herauszuheben.
Die Lust am Geburtstagfeiern sowie die Empfindungen diesem Ereignis gegenüber verändern sich oft im Laufe des Lebens. In der Kinderzeit jedoch hat dieser Tag für fast jedes Kind einen wichtigen und hohen Stellenwert, er ist erfüllt von Erwartungen, Sehnsüchten und Wünschen. Die Tage und Nächte bis zum Geburtstag werden gezählt, Aufregung macht sich breit, und das sicher nicht nur wegen der zu erwartenden Geschenke.
Da sich das Kind an der Welt der "Großen" und den - aus seiner Sicht - damit verbundenen Vorteilen orientiert, erscheint es ihm erstrebenswert, auch möglichst schnell "groß" zu werden. Durch jeden Geburtstagstag nähert es sich diesem Ziel um ein weiteres Stück, jeder Geburtstag bringt somit neue Veränderungen und Vorteile mit sich: mehr Freiheit und Selbständigkeit, größere Unabhängigkeit, mehr Rechte. Kinder benennen das so: "Wenn ich sechs bin, gehe ich in die Schule.", "Wenn ich sieben bin, darf ich länger aufbleiben.", "Wenn ich acht bin, bekomme ich mehr Taschengeld.", "Wenn ich neun bin, darf ich alleine mit dem Bus aus dem Hort nach Hause fahren.", "Wenn ich zehn bin, kann ich die Fahrradprüfung machen und mit dem Rad alleine auf der Straße fahren".
Nicht nur im Familien- und Freundeskreis wird der Geburtstag gefeiert, auch im Hort finden Geburtstagsfeste statt. Am Anfang meiner Berufspraxis bestand eine Geburtstagsfeier eines Hortkindes hauptsächlich aus den üblichen rituellen Elementen, wie sie den Kindern meist schon aus dem Kindergarten oder anderen Hortgruppen bekannt waren: das Geburtstagskind brachte Kuchen oder Knabbereien für die Gruppe mit, eine Wunschgeschichte wurde vorgelesen oder ihm wurde sein Lieblingslied vorgesungen. Natürlich wurde auch gratuliert. Manchmal im Chor: "Alles Gute zum Geburtstag!", manchmal einzeln: "Alles Gute zum Geburtstag!" "Alles Gute zum Geburtstag!" "Alles Gute zum Geburtstag!". Dass diese Formel nach dem zehnten Mal nicht nur für mich leer klang, bestätigte sich mir durch den Versuch einiger Kinder, diese Monotonie zu durchbrechen, indem der Satz zum Beispiel umgedreht wurde "Zum Geburtstag wünsche ich dir alles Gute!".
Da ich zunächst auch keine differenziertere Form für kollektive Beglückwünschungszeremonien vorschlagen konnte, hielt ich mich an das Hoch-sollst-du-leben-Lied. Ab der dritten Strophe - das ist die nach der obligatorischen "gesund sollst du bleiben"-Strophe steigerte sich die Wunschaktivität der Kinder immer in erstaunlicher Weise. Nun wurden nicht nur "viele Einser in der Schule", viele Freunde und viele Kinder gewünscht, sondern auch vor erstrebenswert scheinenden Eigenschaften, Äußerlichkeiten und Zuständen wie: klug, brav, lieb, schön, stark, groß, glücklich, reich, wurde nicht halt gemacht. Lange Zeit fand ich daran nichts auszusetzen, ich betrachtete dies als ein Ritual, das wir Erwachsenen den Kindern beigebracht haben.
Erst nachdem mir die Mutter eines Mädchens meiner Hortgruppe den Grund nannte, warum ihre Tochter ihren Geburtstag lieber nicht in der Gruppe feiern wollte, begann ich dieses Ritual zu überdenken.
Nina war ein eher molliges Mädchen. Die Mutter sagte mir, Nina würde befürchten, irgend jemand könnte beim Geburtstagslied "dicker-soll-sie-werden" singen. Aufgrund dementsprechender Erfahrung aus anderen Kindergruppen wollte Nina lieber auf die Feier verzichten, als sich noch einmal so bloßgestellt zu fühlen.
Wenn man also mit einer Geburtstagsfeier das Ziel verfolgt, das Geburtstagskind positiv in den Mittelpunkt zu stellen, dann widerspricht das Absingen solcher Pseudo-Wunschlieder dieser Intention nicht nur, sondern erzeugt, wie das beschriebene Beispiel zeigt, im Grunde genommen den gegenteiligen Effekt. Mit welchen Methoden und Arbeitsformen es mir dann besser gelang, dem eigentlichen Ziel näher zu kommen, möchte ich im folgenden beschreiben:
Der erste Schritt der Veränderung bestand darin, in einer unserer Tagesbesprechungen mit den Kindern das besagte Geburtstagslied hinsichtlich der bekannten Strophen zu analysieren: "Angenommen, jemand von euch hat in einem Test oder im Zeugnis gerade eine schlechte Note erhalten und bekommt "lauter Einser sollst du kriegen" gesungen. Was glaubt ihr, wie es demjenigen damit geht, was er sich denkt oder was er fühlt?" Viel mehr mußte ich gar nicht fragen, die Antworten der Kinder "peinlich, unangenehm, will ich nicht hören, geht keinen was an außer mir" und die darauffolgende Diskussion zeigten mir, dass Nina mit ihrem Gefühl durchaus nicht alleine war. "Was meint ihr, warum man dann jemandem anderen, den man ja mag, so etwas wünscht?" Dass auf diese Frage sehr wenige Antworten kamen, verwunderte mich nicht. "Da denkt man sich gar nichts dabei." fand die Zustimmung vieler Kinder. "Möchtet ihr, dass sich jemand etwas dabei denkt, wenn er euch etwas wünscht?" Dem konnten, bis auf ein "das ist mir ganz egal" auch alle zustimmen.
Ideen für eine Veränderung zu sammeln war der zweite Schritt "Habt ihr eine Idee, was wir wie anders machen müßten, damit es so wird, wie ihr es lieber möchtet?" Um unüberlegte Antworten zu vermeiden, setzten wir für die Beantwortung einen neuen Besprechungstermin fest.
Was das Wünschen betrifft, einigten wir uns auf folgende Variante: Positive Eigenschaften des Geburtstagskindes sollten verstärkt, beziehungsweise hervorgehoben werden. Ausgemacht wurde, dies entweder in Form eines Wunsches auszudrücken "Ich wünsche dir, dass du weiterhin oft so lustig sein kannst, wie du es manchmal bist, wenn dir etwas Spaß macht" oder durch eine Wertschätzung "Ich mag an dir besonders, dass du mir so oft behilflich bist, wenn ich mich bei der Hausübung nicht auskenne.".
Jedes Kind schrieb seinen Satz auf ein buntes Stück Papier und rollte es zusammen. Damit diese Rolle nicht aufging, wurde ein schmaler zusammengeklebter Papierring darüber gesteckt. Dann übergab jedes Kind seine Rolle dem Geburtstagskind und sagte den Satz den es aufgeschrieben hatte laut dazu. Auf diese Weise blieben die Wünsche und Wertschätzungen erhalten und konnten wirklich "mitgenommen" werden. Zusätzlich schrieb ich die Sätze der Kinder in einer eigenen Mappe mit. Diese Mappe nahmen die Kinder während des Jahres oft zur Hand, um alleine oder gemeinsam darin zu lesen.
Den Abschlußpunkt der Feier bildete der "Trommelwirbel". Dabei saßen wir im Kreis, schlugen mit den Händen auf die Oberschenkel, so daß ein Trommelwirbelgeräusch entstand. Während des Trommelns begannen wir gemeinsam, in ansteigender Lautstärke, von 1 bis zur Zahl des Geburtstagsalters zu zählen. Da wir meist schon sehr laut begannen, endete die Geburtstagszahl in besonders lautem Geschrei. Einmal sagte ein Kind danach: "Jetzt weiß der ganze Hort, wie alt du bist!" und weil den Kindern dieser Satz so gefiel, wurde er bei den nächsten Festen auch immer wiederholt und war bald Teil unseres neuen Geburtstagsfest-Rituals.
Schlagworte:
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| ID: 3095 | hinzugefügt von Jürgen an 02:45 - 22.11.2007 |
| title: Irritation by Pibal, G. |
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| Titel: | Irritation |
| Autor: | Pibal, G. | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 5 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
| url: | |
Text:
Irritation
Im Rahmen des Zusatzstudiums "Reformpädagogik" lernte ich die Freinet-Pädagogik nicht nur theoretisch, sondern ebenso praktisch, in Form von Hospitationen und ersten eigenen Versuchen in Sachen "reformpädagogischen Unterrichtens", kennen und schätzen.
Im Zuge der Hospitationen faszinierte mich von Anfang an der Umgang der SchülerInnen miteinander sowie mit der Klassenlehrerin, der eben gekennzeichnet war von einer großen sozialen wie sprachlichen Kompetenz, die sich vor allem im Zuhören können und dem Eingehen auf Wortmeldungen Anderer zeigte (z. B. Morgenkreis), und die Selbstverständlichkeit, mit der sich die SchülerInnen selbst in den Unterricht einbringen und die Themen und Lerninhalte mitbestimmen konnten.
In der sogenannten Freiarbeit wurden die Themen bzw. Lerninhalte entweder in Einzel- oder Gruppenarbeit, je nach Aufgabenstellung, ohne sichtbare Lenkung der Klassenlehrerin von den SchülerInnen mit Interesse ausgewählt und erarbeitet. Die Rolle der Lehrerin bestand hier im Zurücknehmen der eigenen Person, die den SchülerInnen nicht fortlaufend Handlungsanweisungen erteilte, sondern ihren Raum ließ, sich selbst den Aufgaben zu stellen, diese zu bewältigen und bei Problemen Hilfestellung anbot. Die Hilfestellung reduzierte sich bei dieser Art des Unterrichtens nicht auf das Korrigieren von Fehlern und anschließendem Ausbessern von Seiten der SchülerInnen - im Gegenteil. Durch speziell ausgewählte Lehr- und Lernmaterialien, wie z. B. einem Computer mit entsprechender Software, oder einer Druckerei, mit der unter anderem Texte für die Klassenzeitung, Briefe für diverse Partnerklassen etc. gedruckt bzw. vervielfältigt werden konnten, wurden die Fähigkeiten der SchülerInnen gezielt gefördert und erweitert. Fehler wurden i.d.S. bei der sogenannten Pflichtarbeit durch spezielle Aufgabenstellungen und Übungen, die differenziert auf etwaige Schwächen der SchülerInnen abgestimmt waren, bearbeitet, mit dem Ziel aus einer Leseschwäche, Schreibschwäche, Rechenschwäche etc. Stärken zu machen, ohne dass den SchülerInnen kontinuierlich ein RICHTIG oder FALSCH entgegengehalten wurde, sondern prinzipiell jede Arbeit von Seiten der SchülerInnen durch die Klassenlehrerin positiv bewertet wurde.
Bei meinem eigenen Versuch in dieser Klasse zu unterrichten war ich von dem Wissen und Können der SchülerInnen angenehm überrascht wie irritiert, denn mit so vielen Schülerfragen und -beiträgen zum Thema "Wieviele Planeten gibt es?" habe ich in einer ersten Volksschulklasse nicht gerechnet. Und die Texte, vor allem die Texte!!
Wir haben viele Lernmaterialien in der Schule. Zum Beispiel über die Sonne und über den Mond. Wir bearbeiten gerade das Thema "Wieviele Planeten gibt es?" Daniel hat das wollen. Wir waren im Planetarium und wir haben eine Sternenshow gesehen.
Mag. G. Pibal
Schlagworte:
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| ID: 3099 | hinzugefügt von Jürgen an 03:00 - 22.11.2007 |
| title: Bitte lächeln - Es tut sich was! by Rabensteiner, Pia-Maria |
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| Titel: | Bitte lächeln - Es tut sich was! |
| Autor: | Rabensteiner, Pia-Maria | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 5 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Bitte lächeln - Es tut sich was!
Schulübergreifendes und schulstufenübergreifendes Fotoprojekt der Freinet-Klasse und der Montessori-Klasse
Nachdem die Freinet-Klasse der VS 20 Viktring während des Schuljahres 1997/98 wegen des Schulneubaues in Viktring disloziert an der Körnerschule in Waidmannsdorf untergebracht war, lud die Freinet-Klasse (1. Schulstufe) die Montessori-Klasse (2. Schulstufe), die ebenfalls in dieser Schule ist, zu einem gemeinsamen Fotoprojekt ein.
50 SchülerInnen arbeiteten 1 Woche lang an diesem schulstufen- und schulübergreifenden Projekt mit. Mit Hilfe von Namenskärtchen zog im Begrüßungskreis ein Kind aus der Freinet-Klasse seinen Partner oder seine Partnerin aus der Montessori-Klasse. Als Begrüßungsgeste erhielten die Sternenkinder vom so ausgewählten Partner (oder von der Partnerin) kleinere und größere Schmucksteine und Armbänder, während die Kinder aus der Montessori-Klasse Bilder, Texte oder Zeichnungen erhielten.
Die SchülerInnen stellten nun gemeinsam Chemogramme, Piktogramme und Aufnahmen mit der "Camera oscura" her. Die anfängliche Skepsis, Fotos mit einer Schuhschachtel und eingelegtem Fotopapier herzustellen schwand, als die SchülerInnen merkten, dass mit dieser "Camera obscura" tatsächlich Bilder entstehen können. In der Dunkelkammer wurden die Piktogramme und alle Bilder aus der "Camera obscura" von Petra Hintereicher gemeinsam mit den SchülerInnen entwickelt. Tatkräftige Unterstützung erhielten Carmen Würschl, Lehrerin in der Montessori-Klasse, und ich auch durch Eltern, die die Kinder in Kleingruppen betreuten.
Frei Texte, eine Freinet-Technik, wurden zu den Chemogrammen, Piktogrammen und den Aufnahmen aus der "Camera obscura" verfasst.
"Ich habe den Benni mit der Schachtel fotografiert. Das Bild war ganz schwarz. Deswegen nenne ich das Bild "Schwarzes Bild". Julian
"Ich habe heute fotografiert. Ich habe das Schulhaus mit der Camera obscura fotografiert. Das war sehr lustig. Man hat bis 50 zählen müssen. Dann habe ich lange warten müssen bis die Dunkelkammer frei war." Aline L.
Die Einladungen zu dieser Fotoausstellung wurden auf der Klappdruckpresse gedruckt, von den Kindern liebevoll verziert und an KollegInnen, Eltern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verteilt.
Den Abschluss bildete eine Fotoausstellung an der Körnerschule, bei der wir auch Herrn Bezirksschulinspektor Franz Schleicher begrüßen konnten. Alle Bilder und freie Texte konnten eine Woche lang bewundert werden.
Bei diesem Projekt ging es neben dem Aufgreifen von SchülerInneninteressen um die Kooperation der beiden reformpädagogisch geführten Klassen.
Mag. Rabensteiner Pia-Maria
Schlagworte:
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| ID: 3098 | hinzugefügt von Jürgen an 02:57 - 22.11.2007 |
| title: Die freie Arbeit - Schüler planen ihre Arbeit selbs by Rabensteiner, Pia-Maria Mag. |
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| Titel: | Die freie Arbeit - Schüler planen ihre Arbeit selbs |
| Autor: | Rabensteiner, Pia-Maria Mag. | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
| url: | |
Text:
Die freie Arbeit - Schüler planen ihre Arbeit selbst
Geht man von Freinets Grundeinstellung aus, daß die Kinder sowohl das Recht auf ihren eigenen Lernprozeß, ihre eigene Entwicklung und Individualität als auch das Recht auf ihren eigenen Lernrhythmus haben, erkennt man zwangsläufig, daß der Unterricht auf diese Form abgestimmt werden muß. Freinet setzte bei seiner Unterrichtsarbeit die Schwerpunkte so, daß es keinen Stundenplan im üblichen Sinn gibt, sondern daß die Kinder ihr Lernvorhaben individuell, entweder in Einzelarbeit, Partner- oder Gruppenarbeit bewältigen können.
Zu Wochenbeginn wird in Absprache mit dem Lehrer und den Kindern der gemeinsame und individuelle Arbeitsplan fixiert. Während der Freiarbeitsphase können sich die Kinder die Arbeit, die sie sich für diese Woche vorgenommen haben, erledigen. Alle Arbeiten, die ein Kind in diesem Zeitraum erledigt, werden im Arbeitsplan vermerkt. Am Ende der Woche werden die individuellen Arbeitspläne vom Lehrer kontrolliert. So bestimmt jedes Kind sein Lernpensum und sein eigenes Lerntempo. Der Lehrer hat aufgrund der Arbeitspläne einen Einblick in das Leistungsvermögen der Kinder.
Als Arbeitsmaterialien, die für diese Freiarbeitsphase für die Kinder zur Verfügung stehen, zählen Arbeitskarteien und Arbeitsblätter mit Selbstkontrollmöglichkeit, die Arbeitsbücherei, Nachschlagekarteien, Dokumentensammlungen - eine Fundgrube geographischer, geschichtlicher, biologischer, umweltbezogener Unterlagen, Versuchskarteien, Spiele, Lexika, Bücher, Zeitschriften, Schallplatten, Tonbänder, CD, Material zum Basteln, Werken, die Schuldruckerei und vieles mehr. Praktisch handelt es sich um alle Materialien, die sich in den einzelnen Arbeitsecken befinden sollten.
Freinet lehnte Schulbücher, bei denen alle Kinder in der gleichen Zeit den gleichen Lehrstoff durchnehmen müssen, ab, "weil sie nur zur Langeweile erziehen, ein guter Schüler sie in kürzester Zeit ausgelesen hat und sie ihn dann nicht mehr interessieren" (Jörg, 19892 ,29).
Bei der Form des freien Arbeitens lernen die Kinder nicht nur verantwortungsvoll mit den verschiedenen Materialien umzugehen, sondern ihre Leistung einzuschätzen, sie mit anderen Kindern zu vergleichen, selbständig und selbstverantwortlich Aufgaben zu übernehmen. Das selbstgesteuerte Arbeiten bereitet den Kindern auch Freude. Aggressionen und Frustrationen können dadurch außerdem vermieden werden. Wenn Kinder in der Freiarbeitsphase ihren Aufgaben unterschiedlicher Art nachgehen, diese alleine, mit einem Partner oder in einer Gruppe erledigen, so müssen sie sich auch an bestimmte Ordnungprinzipien halten. Freinet meinte dazu in seinem Werk "Les techniques Freinet de l´école moderne" folgendes: "Wir behaupten..., daß die wahre Disziplin sich nicht von außen, von einer vorgegebenen Regel und auf diese Regel bezogenen Verboten und Bestrafungen herleiten soll. Sie ist vielmehr die natürliche Folge einer geglückten Organisation kooperativer Arbeit und des sich daraus herleitenden Klimas in der Klasse ("clima moral de la classe"). Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß wir ein nahezu ideales Arbeitsklima erreichen, wenn bei der Arbeitsorganisation die Gruppenstrukturen der Klasse berücksichtigt werden, wenn die Kinder in ihrer Einzel- oder Gruppenarbeit eine sie interessierende Arbeit verrichten, die sich insgesamt außerdem noch in einen kontinuierlichen Gesamtarbeitszusammenhang einfügt. Unordnungen gibt es nur bei unangemessener Organisation der Arbeit und wenn ein Kind mit einer Arbeit beauftragt wird, die weder seinen Wünschen noch seinen Möglichkeiten entspricht." (Zehrfeld, 22)
Für das Arbeiten in den Freiarbeitsphasen kann ein Plakat erstellt erstellt werden, das die Kinder an den Ordnungsrahmen erinnern soll. Im Klassenrat sollte auch genau besprochen werden, warum diese Richtlinien einzuhalten sind. Innerhalb des Klassenverbandes gehen die Kinder unterschiedlichen Arbeiten nach. Kinder, die einen freien Text verfassen wollen, benötigen dazu Ruhe. Das muß ihnen ermöglicht werden. Arbeiten Kinder miteinander, wird daher aus Rücksicht auf die anderen im "Flüsterton" gesprochen. Die Regel, daß Materialien an den Ort, wo sie entliehen werden, wieder zurückkommen, muß ebenfalls eingehalten werden. Somit findet jedes Kind aus den Bereichen Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Experimentieren, Malen, Kreativitätsförderung uvm. wieder alle Materialien.
Die Freiarbeitsphasen beginne ich damit, daß die Kinder ihre Arbeitspläne aufschlagen und nachsehen, welche Aufgabe bereits erledigt ist und welche noch nicht. Kinder, die ein Material gerade in Arbeit haben, haben das Vorrecht darauf und dürfen dieses als erste nehmen. Diejenigen, die am Vortag ihre selbstgestellte Aufgabe erfüllt haben, überlegen sich, womit sie heute beginnen werden. Es steht den Kindern frei, alleine, mit einem Partner oder in einer Gruppe zu arbeiten. Wird eine Arbeit erledigt, so ist das Material wieder an den ursprünglichen Platz zurückzustellen, die geleistete Arbeit ist im Arbeitsplan zu vermerken.
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Literatur:
Jörg H., So macht Schule Freude. Wolfsburg 1989
Zehrfeld K., Freinet in der Praxis. Basel 1979
C. Freinet., Die moderne französische Schule. Paderborn 1979
Schlagworte:
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| ID: 3087 | hinzugefügt von Jürgen an 02:17 - 22.11.2007 |
| title: Der Umgang mit dem freien Text in der ersten Klasse /"Lesen durch Schreiben" by Rabensteiner, Pia-Maria Mag. |
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| Titel: | Der Umgang mit dem freien Text in der ersten Klasse /"Lesen durch Schreiben" |
| Autor: | Rabensteiner, Pia-Maria Mag. | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 4 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
| url: | |
Text:
Der Umgang mit dem freien Text in der ersten Klasse /"Lesen durch Schreiben" - Kinder schreiben ihre eigenen Texte mit Hilfe der Anlauttabelle
Zu Beginn dieses Schuljahres stellte ich mir die Fragen, wie ich mit meinen 25 Schulanfängern bei der Erarbeitung der Buchstaben des Alphabets und beim Lesen beginnen sollte. Nach reichlicher Überlegung entschied ich mich für das Arbeiten mit der Anlauttabelle nach C. Reichen. Gerade in einer Freinet-Klasse erschien mir das Erlernen der Buchstaben mit Hilfe der Anlauttabelle am sinnvollsten, da der Lehrgang "Lesen durch Schreiben" am ehestens dem individuellen Lernen der Kinder gerecht wird. Das selbstgesteuerte Lernen steht im Vordergrund - das Niederschreiben der eigenen Wörter, Wortkombinationen, Gedanken, Erlebnisse, in späterer Folge der kleinen Texte und nicht das gemeinsame Erlernen von Buchstaben und das Abschreiben eines Lehrertextes von der Tafel. Mir erschien es auch beim Schreiblernen wichtig, auf den individuellen Entwicklungsstand und die Interessen der Kinder entsprechend einzugehen.
Die Anlauttabelle stellt keine Fibel im traditionellen Sinn dar, sondern ermöglicht es den Kindern, ihre eigenen Wörter von Anfang an selbständig zu schreiben. Es ist natürlich notwendig, zusätzlich zur Arbeit mit der Anlauttabelle Hörübungen durchzuführen, damit die Kinder die einzelnen Laute, die wir in unserer Sprache verwenden, erkennen. Das heißt, Lautierungsübungen beziehen sich auf die gesamte Lautabfolge und dienen nicht nur dazu, den Anlaut oder Endlaut zu erkennnen. Das Ziel dieser Lautierungsübungen war es, dass sich die Kinder bemühen, klar und deutlich zu artikulieren. Die Laute der einzelnen Wörter zu erkennen, zu unterscheiden, zu zerlegen..., das sollten die Kinder lernen. Dies bedeutete für viele Kinder große Schwierigkeiten, da bedingt durch den Kärntner Dialekt die meisten Endungen auf "-er" als reine "a" von den Kindern lautiert wurden. (z. B. Wassa, Mutta, Kinda...)
Die Anlauttabelle in ihrer Hufeisenform ist nicht vollständig und nicht nach einem bestimmten Muster aufgebaut. Die Bilddarstellungen für "St, Sp, C, X" fehlen, können bzw. sollen vom Lehrer/von der Lehrerin mit den Kindern gemeinsam in die Tabelle integriert werden.
Wie und wann wurde mit der Anlauttabelle begonnen?
Bereits in der ersten Schulwoche erhielt jedes Kind eine Anlauttabelle, wobei die Bilder von den Kindern nach und nach ausgemalt wurden. Wichtig war mir, dass die Kinder bei allen Bilddarstellungen die entsprechenden Bedeutungen wussten bzw. richtig erlernten ( "R" wie Rad, "S" wie Sonne, "K" wie Krokodil... Bei den täglichen Übungen oder Spielen mit der Anlauttabelle legte ich ebenso Wert darauf, dass auch bei jeder gesuchten Bilddarstellung der Anlaut laut artikuliert wurde. Zuerst wurden Wörter gemeinsam gesucht, lautiert und verschriftlicht. Die Kinder wollten aber neben den Wörtern Mama und Papa Wörter wie Schmetterling, Käfig, Wellensittich... schreiben. So dauerte es nicht lange, bis die Kinder selbst das Bedürfnis hatten, mit Hilfe der Anlauttabelle ihre eigenen Worte zu kreieren und niederzuschreiben. Viele Kinder liebten es, sich auf "Wörtersuche" zu begeben, manche hielten sich dabei eher zurück. Die Kinder arbeiteten alleine oder konnten auch in Partnerarbeit am Computer ihre "Texte" schreiben.
Das Schreiben eines Wortes erfolgte so:
z. B. das Wort Elefant:
Das Wort "Elefant" wurde zuerst deutlich artikuliert.
Das Suchen auf der Anlauttabelle begann - (E wie Esel).
Das "E" wurde aufgeschrieben.
Das Wort "Elefant" wurde wieder deutlich ausgesprochen. So sollten die Kinder erkennen, dass nach dem "E" das "L" zu suchen und zu verschriftlichen ist. D. h. die neuerliche Suche auf der Anlauttabelle begann.
"L" wie Lampe wurde aufgeschrieben.
In gleicher Weise wurden alle weiteren Buchstaben deutlich ausgesprochen, auf der Anlauttabelle gesucht und niedergeschrieben.
Die Kinder fanden sich bei der Handhabung der Anlauttabelle sehr schnell zurecht. Es war jedoch ganz klar, dass Kinder aufgrund der undeutlichen Aussprache oder durch Überhören eines Lautes diesen hin und wieder ausließen und Klein- und Großbuchstaben gemischt im Wort verwendeten. Das wichtigste war aber, dass sie sich mit Hilfe der Buchstaben verständigen konnten. Die Kinder konnten die Wörter, die sie schreiben wollten, lautieren und mit Hilfe der Anlauttabelle aufs Papier bringen. Durch das genaue Vorsprechen der Wörter erkannten die Kinder auch Dehnungen und Verdoppelungen recht schnell. (Leider gibt es aber auch immer diese Ausnahmen!) Ganz zu Beginn konnten die Kinder schreiben, aber ihre selbst verfassten Texte nicht lesen. Ich hörte sehr oft die Frage: "Habe ich das Wort jetzt schon fertig geschrieben?" Erst im Laufe der Zeit erfolgte durch das selbstgesteuerte Schreiben das selbstgesteuerte Lesen.
Es gab nämlich von Anfang an keine gemeinsam abgehaltenen Leseeinheiten oder Leseübungen. Vor allem gab es kein lautes Vorlesen vor all den MitschülerInnen. Die Kinder konnten Lesetexte aus der Klassenbibliothek, aus gedruckten Kindertexten, aus den vielen Lernmaterialien, Karteikarten uvm. aussuchen und für sich selbst lesen. Mit der Zeit kamen sie zu mir und wollten mir auch Texte vorlesen. Wer wollte, konnte jedoch seinen eigenen Text der Klasse im Abschlusskreis vortragen. Für mich persönlich war es ein unbeschreibliches Gefühl, als mir ein Kind im November einen Sachtext ohne Schwierigkeiten vorlas. Ein anderes Kind arbeitete mit dem Atlas und las mir verschiedene Städte und Staaten vor. Das Lesen geschah einfach nebenbei. Die Kinder konnten es. Das war für mich sehr faszinierend.
Die Kinder merkten schnell, dass man sich mit Hilfe eines geschriebenen Textes verständigen kann, und so richtete ich sowohl für jedes Kind in der Klasse als auch für mich einen "Postkasten" ein. So konnten sich die Kinder gegenseitig Briefe schreiben, diese lesen und dem Schreiber wieder antworten. Die Briefe erhielten immer den Namen des Absenders und des Adressanten und wurden in das gewünschte Fach gegeben. Die Kinder lernten die Namen ihrer MitschülerInnen zu lesen und zu schreiben und mussten das Briefgeheimnis wahren. Diese "Briefe" waren liebevoll gestaltete Zeichnungen und einfache Wörter, die die Kinder mit Hilfe der Anlauttabelle aufschrieben. Im Klassenrat wurde darüber diskutiert, wie auf erhaltene Post reagiert werden sollte - man antwortet. Das Klassenamt "Postbote" wurde installiert, der die Aufgabe hatte, die Post auszuteilen.
Es entstanden mit der Zeit nicht nur einzelne Wörter, sondern die Kinder verfassten ihre eigenen kleinen Texte - ihre ersten kleinen Sätze. Diese Texte wurden entweder am Computer verfasst oder mit Hilfe der Druckerei immer von jeweils zwei Kindern für alle in der Klasse gedruckt. Diese Texte wurden ebenso, wie die während der Freiarbeit entstandenen kleinen Büchlein, im Abschlusskreis den MitschülerInnen präsentiert.
Im Laufe der Zeit benötigten viele Kinder die Hilfe der Anlauttabelle für das Schreiben nicht mehr. Von einigen Kindern, die sich zu sicher waren, im Text jedoch immer wieder Laute aufzuschreiben vergaßen, musste die Anlauttabelle wieder zur Hand genommen werden.
Vor Weihnachten begannen wir mit den "Regenbogenkindern" (VS Zechnerschule - 2. Schulstufe aus Wien) zu korrespondieren. Jedes Kind aus der Klasse hat einen Briefpartner/eine Briefpartnerin in Wien. Unserer weiteren Korrespondenzklasse , den "lila Karmuffeln" (1. Schulstufe aus Eitorf in Deutschland), sandten wir individuell erstellte Texte. Nachdem die Kinder aber immer mehr freie Texte verfassten und mit Hilfe der Klappdruckpresse druckten, fingen wir an, die Texte auf unsere Postkarten zu drucken und an mehrere Klassen zu verschicken.
Nun senden die Kinder ihre Texte auch an die "Sternschnuppenkindern auf dem Regenbogen" (Volksschule Kirchberg in Oberösterreich) , an die Kinder der Ganztagesvolksschule II in Wien, an Kinder der 1. Klasse der VS Silbertal in Vorarlberg, an die "Bärenkindern" aus Köln (1. - 4. Schulstufe) und an Kinder einer weiteren 2. Schulstufe in Deutschland (Grundschule Ruppichterroth)
So beginnt sich die Spirale zu drehen. Texte schreiben, drucken, den Kindern der Klasse präsentieren, an die Korrespondenzklassen versenden, auf Post warten, Post erhalten, lesen, einen neuen Text schreiben... Motiviert gehen die Kinder ans Texteverfassen und schreiben ihre eigenen Ideen, Erlebnisse, Phantastereien uvm. auf.
Wie wird korrigiert?
Bei den Korrekturen halte und hielt ich mich sehr zurück. Ich griff nie in einen Kindertext ein, sondern schrieb zu Hause am Computer die Wörter richtig nieder und klebte das nun richtig Geschriebene in das Texteheft unter den jeweiligen Kindertext. Die von mir korrigierten Kindertexte kamen in ausgedruckter Form in den Ordner "Lesetexte" und in den Ordner "Laufdiktate". Beide Ordner standen in der Freiarbeit für alle Kinder zur Verfügung.
Zu Beginn des 2. Semesters wurden die individuellen "Lernwörter" (vom Kind falsch geschriebene, von mir korrigierte und ins Lernwörterheft des jeweiligen Kindes eingetragene Wörter) vom "Lernwörterheft" auf kleine Kärtchen übertragen. Diese individuellen Lernwörter konnten (oder waren zeitweise auch im Pflichtprogramm enthalten) während der freien Arbeitsphase mit Hilfe der 5-Fächer-Lernkartei, die jedes Kind besitzt, geübt werden.
Nachdem die Kinder ungefähr zu Weihnachten alle Buchstaben beherrschten, erhielten sie zu Beginn des 2. Semesters die Aufgabe, in der Freiarbeit die einzelnen Buchstaben des ABC individuell zu bearbeiten.
Elternarbeit.
Bei einem Elternabend erhielten die Eltern eine Anlauttabelle. Sie erhielten aber nicht die, mit denen die Kinder arbeiteten, sondern eine, bei der anstelle der Buchstaben Hieroglyphen eingesetzt waren. Die Eltern sollten sich damit gegenseitig ein paar Wörter aufschreiben. So erlebten die Eltern die Schwierigkeiten des Buchstaben(er)lernens und erkannten, worum es bei dem Lehrgang "Lesen durch Schreiben" ging: Die zuerst nur abgemalten Buchstaben werden zu einem Wort kodiert, beim Lesen oder Entziffern dekodiert. Die Eltern erkannten auch, dass es nicht sehr einfach ist, sich die Fülle der vielen neuen Hieroglyphen bzw. Buchstaben zu merken. Aus diesem Grund wurde die Anlauttabelle ganz bewusst lange nicht mit nach Hause gegeben. Die Eltern sollten nämlich nicht auf die Idee kommen, mit ihren Sprösslingen alle Buchstaben zu lernen. Gerade hier zeigte sich, wie wichtig die Elterninformation war. Den Eltern musste die Angst vor dem individuellen Erarbeiten der Buchstaben genommen werden. Dadurch, dass der Vergleich mit anderen KollegInnen bzw. anderen Kinderheften nicht gegeben war, waren sie nur auf die eigenen Beobachtungen der Lernfortschritte und die Gespräche mit mir über den individuellen Lernzuwachs und Leistungsstand angewiesen.
Resümee: Die Kinder schreiben Texte noch immer gerne.
Die Kinder können alle Wörter ihres Sprachschatzes sicherlich noch nicht richtig schreiben. Aber welches Kind in der 1. (2., 3., 4., 5....) Klasse kann das? Dies erfolgt nur durch Übung und viel schreiben. Dafür und für die Rechtschreibübungen ist noch Zeit genug.
Durch das weitgehend individuelle Erlernen der Buchstaben ist bei fast allen Kindern die Lust am Schreiben eines Textes noch immer vorhanden. Alleine das Herstellen der klasseneigenen Schülerzeitungen, das Veröffentlichen der Texte in der "Neuen Tapete" (vgl. Freinet-Kooperativ 1/97, S. 34), der rege Austausch von Kindertexten mit verschiedenen Klassen, das Vorlesen der eigenen Texte oder das Zuhören im Abschlusskreis motiviert meine Kinder immer wieder, ihre eigenen Idee aufs Papier zu bringen und niederzuschreiben. Sie haben so viel Phantasie und Einfallsreichtum - das sollen sie sich noch sehr lange behalten.
Falls du/Sie mehr Informationen zum Arbeiten mit der Anlauttabelle haben willst/wollen, stehe ich gerne für Auskünfte zur Verfügung.
Literatur:
Reichen J., Lesen durch Schreiben, Heft 1 - 8, Sabe-Verlag, Zürich 1988.
Fragen und Versuche - Nr. 56, 57, 60, 62, 67, 67
M. Merz., Lernen - ein Puzzlespiel Linz 1996
Freinet-Kooperativ 1/1997
Mag. Rabensteiner Pia-Maria
Schlagworte:
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keine Notizen verfügbar
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| ID: 3090 | hinzugefügt von Jürgen an 02:29 - 22.11.2007 |
| title: Fragen zur Welt by Resch, Uschi und Walter Hövel |
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| Titel: | Fragen zur Welt |
| Autor: | Resch, Uschi und Walter Hövel | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
Fragen zur Welt
Wir arbeiten beide in der Grundschule. Die eine Klasse ist ein zweites Schuljahr auf dem Land in der Nähe von Köln, die andere, ein drittes Schuljahr, befindet sich mitten in Wien. Fast jede Woche verlassen wir die Klassenräume, um in der für uns erreichbaren Welt außerhalb der Schule zu lernen. Die Landkinder gehen in den Wald, zu einem alten Wasserauslauf, spazieren durch die Flußauen zwischen der Sieg und der Eisenbahnlinie, sie wandern durch Felder und Straßen oder besuchen das örtliche Theater. Die Stadtkinder fahren mit der Straßenbahn in den Wald, gehen in den Park, besuchen Ausstellungen, Museen, Theater und Informations-veranstaltungen für Kinder.
Irgendwann entstand die Idee, gegen Ende eines solchen "Spaziergangs"¹, auf dem Rückweg zur Schule stehen zu bleiben, einen Kreis zu bilden und die Augen zu schließen. Jedes Kind denkt sich eine eigene Frage zur Welt aus. Danach stellt jedes Kind den anderen seine Frage vor. Nachdem wir wieder in der Klasse sind, schreiben alle ihre Frage auf einen kleinen Zettel, der dann ins große "Fragen-zur-Welt-Buch" eingeklebt wird. Diese Aufgabe haben bald die Kinder selbst übernehmen.
Vor dem Einkleben liest jedes Kind noch einmal seine Frage vor. Manchmal spielen wir vorher noch das "Befreiungsspiel". Es wird ein Kreis gebildet, in welchen du erst dann gehen darfst, wenn eine MitschülerIn deine Frage noch weiß und sie laut sagt. Eine Variante ist die, dass schon alle im Kreis sitzen. Jetzt wird das "Befreien" dadurch symbolisiert, dass sich die auf den Boden setzen, deren Frage von jemand anders gewußt wurde. Es ist erstaunlich, dass die Kinder wirklich noch alle Fragen der anderen wissen. Noch nie ist ein Kind übriggeblieben, weil seine Frage nicht wiederholt werden konnte.
Uns ist es nicht wichtig, dass alle Fragen beantwortet werden, wichtig ist, dass jedes Kind seine Frage stellt und jede Frage ins "Fragen-zur-Welt-Buch" kommt. Wichtig ist, dass jedes Kind und jede Frage ernst genommen wird. Es gibt keine "guten und schlechten Fragen". Es gelingt niemals, alle Fragen zu beantworten, hierzu reicht die Zeit nicht. Also müssen Fragen ausgesucht werden. Das Kind, das als letztes Geburtstag hatte, darf sich eine oder mehrere Fragen aussuchen. In der Regel werden die Fragen im Kreis beantwortet, manchmal geschieht es in kleineren "Fragen-zur-Welt-Gruppen".
Die Kinder beginnen eigene Antworten auf die gestellten Fragen zu finden. Jede Theorie, jeder Erklärungsversuch wird ernstgenommen, jedem Gedankengang wird gefolgt. Die Kinder philosophieren, die LehrerIn hält sich zurück. Die Erwachsenenerklärungen - falls sie überhaupt gebraucht werden - sind erst nach denen der Kinder dran. Sie bilden aber nicht den "krönenden Abschluß", um die "richtige" Antwort zu geben, sondern sind eine Erklärung unter vielen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werden verschiedene Arbeitsformen eingesetzt.
Zum Beispiel machten wir Experimente mit Wasser bei der Frage, warum man einen Wasserfall hören kann, ein von den ScxhülerInnen eingeforderter Lehrervortrag versuchte die Frage zu beantworten, wie das Universum entstanden ist, die frage, wie alt eigentlich ein Grashalm werden kann, wird ein Universitätsprofessor oder ein Biologen auf die schriftliche Anfrage der Kinder hin, beantworten müssen. Es sind auch schon kleinere Bücher entstanden, zum Beispiel zu der Frage, wie das Küssen entstanden ist.
Oft beinhalten die Fragen auch das aktuelle Projektthema. Wie zum Besispiel bei unserem "Ägyptenprojekt", das mehrere Wochen dauerte, kamen immer wieder Fragen zu diesem Thema. "Wie sind die Pyramiden entstanden?". Die Frage "Wieviele Sekunden braucht man, um auf eine Pyramide zu klettern?" führte dazu, dass wir dies gemeinsam im Kreis ausgerechnet haben. "Ganz nebenbei" wiederholten wir die gesamte Uhr. Es kann auch vorkommen, dass wir bewußt eine Aktion mit den Kindern machen. So haben die Landkinder in Schnee und Eisregen auf einer Wiese ein Feuer mit nassem Holz entzündet. Daraufhin folgten fast ausschließlich "Feuerfragen". Wie zum Beispiel: "Warum ist Feuer heiß?", "Warum gibt es überhaupt Feuer?" "Wie entsteht Feuer?".
<b>Fragen zu Fragen zur Welt</b>
Strukturieren eigene Fragen die äußere und innere Welt der Kinder?
Führt eigenes Fragen die Kinder von ihrer ganzheitlichen konkreten Wahrnehmung der Welt zu einem geistig abstrahierenden Erkennen, ohne dass sie ihrer konkreten Ganzheitlichkeit beraubt werden?
Wieviele Geheimnisse stecken in den Fragen der Kinder?
Wie fraglich ist den Kindern die Wirklichkeit, wie wirklich sind ihnen ihre Fragen?
Können Kinderfragen die Zusammenhänge zwischen den Dingen der Welt, zwischen der Welt und ihnen selbst und zwischen den Fragenden verknüpfen?
Finden die Kinder durch eigenes Fragen den Sinn des Lebens?
Leben fragende Menschen sinnvoller?
Könnten Menschen ohne Fragen leben?
Wann und wer hört Kindern zu, wenn sie Fragen stellen?
Verträgt Schule überhaupt die Fragen der Kinder?
Kann eine Frage falsch sein?
Suchen Philosophen die Fragen oder die Antworten?
Wieviele richtige Fragen gibt es auf eine Frage?
Wieviele Fragen gibt es zu einer Antwort?
Wir oft muß ein Kind seine Frage stellen, bis es seine Antwort findet?
Sind Fragen nicht die Antworten der Kinder?
Ist die bewußte Wahrnehmung unserer Sinne Voraussetzung, um fragen zu können?
Verändern die Fragen der Kinder unsere Sichtweise der Wirklichkeit? Wie politisch sind Kinderfragen?
Sollten LehrerInnen ihre eigenen Kinderfragen noch kennen?
Warum wissen so wenige Erwachsene, dass sie wie Kinder fragen können?
Warum wissen so wenige Kinder, dass ihre Fragen wichtig sind?
Verändert die Sprache die Wahrnehmung der Kinder?
Können Fragen die Wahrnehmung der Kinder wirklich ausdrücken?
Gibt es ein Lernen ohne Fragen?
Verlierst dur durch Fragen die Angst vor den Antworten?
Geben uns Fragen mehr Mut zu leben?
Erobern Kinder die Welt durch ihre eigenen Fragen?
Werden Kinder, die das Fragen gelernt haben auch später ihre eigenen Kinder fragen lassen?
Wie wichtig ist es, fragen zu können?
Wäre die Welt ohne Fragen nicht einfacher?
Was nützen mir tausende von Antworten, wenn ich die Frage nicht kenne?
Lernen wir zu denken, wenn wir Fragen stellen?
Wodurch lerne ich mehr Verantwortung? Durch ungefragte Antworten oder durch die Fragen mit meinen eigenen Worten?
Wie kann ich die Welt erfahren ohne nach ihr zu fragen?
Sollten die Fragen der Kinder nicht alleiniger Inhalt unseres gesamten Unterrichts sein?
Sind Fragen nicht die Grundlage, um uns um eine antwort zu mühen?
Können Kinder dadruch, dass sie lernen ihren Fragen zu trauen mehr Selbstvertrauen gewinnen?
Ist in der Frage bereits eine Antwort?
Muß jede Frage beantwortbar sein?
Wann und wem stellen LehrerInnen ihre Fragen?
Kannst du fragen?
<b>Einige Fragen aus den ersten drei Schuljahren:</b>
Warum sickert das Wasser in den Flüssen nicht ein, aber das Wasser sonst schon?
Warum können Menschen nicht fliegen? Warum gibt es leichte und schwere Stöcke?
Wie entstand das Küssen? Warum haben Pflanzen Wurzeln und Menschen Beine?
Warum sind Blätter nicht viereckig? Warum kann man die Zeit nicht anhalten?
Wieso gibt es Kriege? Wie verstehen Ausländer ihre eigene Sprache?
Warum werden Bäume so groß? Wieso gibt es Fragen?
Warum gibt es bei uns keine Elefanten? Wieso gibt es Mädchen und Jungen?
Warum hat die Rinde Striche? Wie alt kann ein Grashalm werden?
Gab es einmal Herkules? Warum dreht sich die Erde und der Boden nicht?
Warum haben Tiere andere Sprachen als wir? Gibt es Lebewesen auf anderen Planeten? Wie ist die Erde entstanden? Was ist der Wind?
Wann wird die Sonne wieder scheinen? Warum töten Menschen Tiere?
Müssen Blumen nichts essen? Warum fällt die Sonne nicht runter?
Wie entstanden die Sterne? Warum sind Ameisen so klein?
Wie wachsen Äste? Wie schmeckt das Essen bei Außerirdischen?
Warum läuft das Wasser nicht aus der Erde in den Weltraum?
Was ist Licht? Warum sind Wolken blau und weiß?
Gab es früher wirklich Wahrsager und Zauberer?
Was passiert, wenn Steine ins Wasser fallen?
Warum müssen Erwachsene alles beurteilen?
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¹ Das "Verlassen der Übungsräume" , die "Spaziergangsklasse" oder die "Heckenschule" hat in der Freinet-Pädagogik die wohl älteste Tradition.
Schlagworte:
fr_koop-3
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Notiz:
"Fragen zur Welt" aus der Zeitschrift: "Fragen und Versuche" - Zeitung der Pädagogik-Kooperative , Heft 79, Februar 97.
Uschi Resch war Grundschullehrerin in Wien, unterrichtet jetzt in Deutschland.
Walter Hövel ist Rektor einer Grundschule in Eitorf bei Köln.
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| ID: 3082 | hinzugefügt von Jürgen an 01:47 - 22.11.2007 |
| title: Freinet Workshop - ein Bericht by Schartner, Aloisia / Mag. Lausegger, Irene |
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| Titel: | Freinet Workshop - ein Bericht |
| Autor: | Schartner, Aloisia / Mag. Lausegger, Irene | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
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Text:
FREINET WORKSHOP - EIN BERICHT
Im Rahmen des Zusatzstudiums Reformpädagogik an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Kärnten fand vom 16. - 18. Jänner 1998 ein Freinet-Workshop in der Klasse von Mag. Pia-Maria Rabensteiner statt. Ein besonders Dankeschön möchten wir auf diesem Wege Pia-Maria und Gerhard zukommen lassen, die uns mit viel Idealismus und Freude die Freinet-Pädagogik nahegebracht haben.
Zu Beginn dieses Workshops konnten wir den Klassenrat der ersten Freinet-Klasse miterleben. Bewundernswert dabei war die Reife der Kinder, ihre Art zu formulieren und sich an die vereinbarten Regeln zu halten. Im Anschluß daran gab es eine Reflexion der Hospitation und eine Einführung in Leben und Theorie Celestin Freinets.
Durch den Workshop hatten wir die Möglichkeit, uns in die Situation der Kinder zu versetzen. Wir konnten:
den Morgen- und Abschlußkreis, sowie den Klassenrat moderieren und protokollieren;
die Arbeit in verschiedenen Ateliers erproben - z. B.
experimentieren, freie Texte selbst verfassen und drucken,
mit dem Computer arbeiten,
mit oder ohne Musik malen, kreativ sein,
uns in die aufgelegte Literatur vertiefen,
Lernmaterialien kennenlernen.
Das gemeinsame Interesse an Freinet-Pädagogik war ein verbindender Faktor von Beginn an. Dieses verbindende Element kam besonders schön in der gemeinsamen Jause zum Ausdruck, die auch als Anknüpfungspunkt für weiterführende Diskussionen genutzt wurde.
Ein wesentlicher Bestandteil der Freinet-Pädagogik ist die Orientierung an den Interessen und Fähigkeiten der Kinder. Die Aufgabe der Freinet-LehrerInnen besteht darin, den Verschiedenheiten der Kinder Rechnung zu tragen, sie zu respektieren und zu akzeptieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich zu einer für sich selbst verantwortlichen Persönlichkeit zu entfalten.
Ganz wichtig erschien uns in diesem Zusammenhang die Vorführung von Videoaufnahmen, die einen Einblick in den Schulalltag einer Freinet-Klasse erlaubten.
Darauf aufbauend, beinhaltete eine Aufgabenstellung, die Rechte der Kinder innerhalb der Klasse, der Familie und der Gesellschaft aufzuzeigen. Die Lösung sollte in Form einer Plakatgestaltung festgehalten werden. Ein besonders gelungenes Exemplar verblieb in der Schule.
Am Ende dieses Workshops konnten alle TeilnehmerInnen ein selbstverfasstes und selbstgebundenes Buch in Händen halten. Aus diesem Workshop haben wie die Erkenntnis gewonnen, mit Celestin Freinet auf dem richtigen Weg zu sein. Wir würden und wünschen, dass noch viele Kinder die Möglichkeit haben, nach diesen Ideen unterrichtet zu werden.
Schartner Aloisia/Mag. Lausegger Irene
Schlagworte:
fr_koop-3
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| ID: 3089 | hinzugefügt von Jürgen an 02:22 - 22.11.2007 |
| title: Korrespondenz by Suttner, Lisi |
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| Titel: | Korrespondenz |
| Autor: | Suttner, Lisi | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 5 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
| url: | |
Text:
Korrespondenz
Freinetpädagogik ist immer noch eine unangepasste, weil im Ursprung radikale und revolutionäre Pädagogik. Die Vereinnahmung einzelner Elemente für den herkömmlichen Unterricht entspricht keinesfalls dem Grundgedanken Freinets.
Vereinnahmung?
Besonders bedenklich erscheint mir der Einsatz des freien Textes als didaktisches Rezept. Ist es doch das gesamte Ensemble der Elemente, das die Freinetpädagogik bestimmt.
"Auch darf die Pädagogik der Freinet-Bewegung insgesamt nicht als Summe von Methoden, didaktischen Tips oder gar lernzielorientierten Curriculum-Splittern verstanden werden."
Didaktische Rezepte?
Korrespondenz macht nur Sinn, wenn sie in die Arbeitspädagogik Freinets eingebunden stattfindet. Leider wird dies immer noch oft missverstanden:
"Zeitung und Korrespondenz.......Hier ergibt sich die didaktische Gelegenheit, ‘den Kindern das Wort zu geben’."
Für mich als Freinetlehrerin ist der Ausdruck "didaktische Gelegenheit" in diesem Zusammenhang unpassend.
Blickt man auf C. Freinets Forderungen zur Veränderung unseres Schulwesens wird klar, dass es nicht um didaktische Gelegenheiten, sondern um die prinzipielle Einstellung zu den Kindern geht.
"1. Die Schule hat von den Bedürfnissen des Kindes auszugehen.
2. Alle Erziehung hat naturnah und nach natürlichen Methoden vorzugehen."
Schreiben für die Schule?
Die Schaffung eines Klassenklimas, das freien Ausdruck ermöglicht, könnte nicht gelingen, wäre sie didaktische Finte.
Es wird nicht für die Schule geschrieben.
Vielmehr "muss das Schreiben von der herrschenden Form der Didaktik befreit werden. Dies kann dadurch geschehen, das Schreiben in den wirklichen Formen gesellschaftlicher Kommunikation betrieben wird."
"Schriftsprache, deren Erwerb nicht selten Anstrengung gekostet hat, wird beim Briefeschreiben in ihrem ureigenen Sinne, dem der Kommunikation, gebraucht und erlebt und als bereichernd empfunden."
Der freie Text versteht sich zunächst einmal als soziale Tätigkeit.
Die Maxime Freinets "den Kindern das Wort zu geben" prägt auch die Klassenkorrespondenz.
Und in der Praxis?
In meiner Klasse begannen die Kinder bereits auf der ersten Schulstufe durch die Wandzeitung , Austausch von Zeichnungen, die Klassenzeitung und kleine Briefe zu korrespondieren.
In der zweiten Klasse wurde mein Vorschlag mit einer anderen Freinet-Klasse einen Briefwechsel zu beginnen begeistert aufgenommen. Es gefiel den Kindern, dass Pia-Maria, die Lehrerin unserer zukünftigen Partnerklasse schon einmal bei uns zu Besuch war, und dass wir also Post aus Kärnten (einem anderen Bundesland!) erhalten würden.
Pias Klasse, damals eine erste Schulstufe, machte den Anfang.
Wir machten eine Wand im Klassenraum frei und hängten alle erhaltenen Zeichnungen und Briefe auf.
Pia hatte eine Namensliste aller Kärntner Kinder mitgeschickt. Spontan wurde entschieden, dass sich jede(r) von dieser Liste eine(n) BriefpartnerIn aussuchen sollte.
Das ging zu meinem Erstaunen völlig ohne Streitigkeiten; die meisten Kinder fühlten sich sofort einem Namen zugehörig.
Die Briefe, die die Kinder dann verfassten, fielen höchst unterschiedlich aus, was Länge und Ausführung betrifft. Einige trauten sich noch nicht an einen Text heran und schickten lieber eine Zeichnung ab. Allen war es wichtig sich vorzustellen und die meisten Kinder hatten gleich auch Fragen an ihre BriefpartnerInnen: Wie siehst du aus? Wie alt bist du? Hast du Geschwister? Wer ist dein(e) beste(r) FreundIn in der Klasse? ...
Im Klassenrat wurde ausgemacht, dass auch etwas Gemeinsames von uns nach Kärnten geschickt werden sollte. Wir bastelten ein Memory-Spiel.
Als dann kurz vor Weihnachten nicht nur die Antwortbriefe, sondern auch Pakete mit selbstgemachten Keksen von den Sternenkindern aus Viktring bei uns ankamen, war die Freude groß.
Nun gehen wir schon ins zweite Jahr unserer Korrespondenz. Die Briefe werden länger, Fotos und Erlebnisse werden ausgetauscht.
Wir sprechen oft über unsere Partnerklasse; Briefe werden vorgelesen, oder auch bewusst bei sich behalten (alle sind stolz, dass sie mit dem Briefgeheimnis umgehen können).
Die Korrespondenz ist also nicht nur Kommunikationsmittel, sondern regt diese auch an. Sie gibt den Kindern die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und sie zu pflegen.
Der Wunsch der Kinder "Fremdem" zu begegnen hat mittlerweile dazu geführt, dass wir einen (noch etwas losen) Briefwechsel mit einer dritten Volksschuklasse in Lahti (Finnland) begonnen haben. Wir schicken mit unseren Briefen auch englische Übersetzungen mit, und schlagen im Wörterbuch, das ein Kind mitgebracht hat, immer wieder finnische Wörter nach.
Die Korrespondenz ist nicht nur Schreiben, das Sinn macht, sondern erweitert unseren Horizont auf allen Ebenen.
Lisi Suttner, Zechnerschule, Wien
Schlagworte:
fr_koop-5
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| ID: 3097 | hinzugefügt von Jürgen an 02:53 - 22.11.2007 |
| title: Arbeit in der 1. Klasse mit dem Arbeitsplan und Arbeitsbericht by Traar, Beate |
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| Titel: | Arbeit in der 1. Klasse mit dem Arbeitsplan und Arbeitsbericht |
| Autor: | Traar, Beate | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Viktring, in: Freinet-Kooperativ 3 | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1998 | | |
| url: | |
Text:
Arbeit in der 1. Klasse mit dem Arbeitsplan und Arbeitsbericht
Seit Herbst 1997 arbeite ich in einer 1. Klasse in Klagenfurt. Vom Schulbeginn an versuchte ich, freinetpädagogische Prinzipien des Arbeitens und miteinander Lebens mit der Klasse umzusetzen. Bis Weihnachten ließ ich die Kinder ihre Arbeiten in den Freiarbeitsphasen ohne schriftliche Planung auswählen. Besprochen wurden die Freiarbeitsphasen und manche speziellen Arbeiten im Klassenrat. Auf Wunsch der Kinder erarbeiteten wir in den ersten 3 Wochen gemeinsam neue Buchstaben. Dies verselbständigte sich - sie wollten individuell und jedes Kind andere Buchstaben er- und bearbeiten. Parallel dazu "schrieben" sie bereits erste freie Texte in Form von Bild-Wort-Symbol-Aufzeichnungen. Sehr oft zeichneten sie eine Geschichte und ich schrieb sie auf, wozu ich in den Freiarbeitsphasen Zeit hatte. Sonst wählten die Kinder aus ihren jeweiligen Interessensschwerpunkten heraus ihre Tätigkeiten. Nach den Weihnachtsferien führte ich die Arbeit mit Arbeitsplan und Arbeitsbericht ein. Die Kinder sollen fähig werden, bestimmte Ziele/Wege/Arbeitsschritte zu planen, durchzuführen und darüber (mit Datum) zu berichten: was, wo, wie wurde gearbeitet. Einzige Vorgabe: jede Woche 1 Buchstaben zu be- und erarbeiten. Zu Beginn war dieses Planen und Berichten für die Kinder schwierig. Sie konnten schwer mit dem "Zerhacken" ihres Arbeitsflusses umgehen. Sie mußten sich täglich am Beginn der Freiarbeitsphase (Planungsphase) überlegen und aufschreiben, was sie arbeiten wollten und am Ende natürlich ihre Aufzeichnungen über die durchgeführten Arbeiten erledigen. Die ersten 3 Wochen mit dem Arbeitsplan waren gezeichnet von Unruhe, Überforderungsgefühlen, bei manchen Kindern mit Unwollen und Unsicherheit.
Als die Kinder erkennen konnten, dass es ihre Arbeit aber auch erleichterte bzw. übersichtlicher gestaltete, gingen sie "leichthändig" damit um. Nach diesem Zeitraum allerdings stellten wir die tägliche Planung auf eine wöchentliche Planung um. Protokoll über die durchgeführte Arbeit sollen die Kinder täglich schreiben. Da sie eigenständiges Arbeiten gewöhnt sind, entspricht ihnen diese längerfristige Planung mehr, wobei dies nicht immer für alle Kinder gleich gültig ist.
Diese Form der Selbstorganisation bewährt sich insofern, als die Kinder sich alle Möglichkeiten zu lernen aussuchen können, aber sie bietet auch Hilfe für Kinder, die eine Strukturierung des Ablaufs brauchen.
Der Arbeitsplan und -bericht wird von mir über das Wochenende kontrolliert und unterzeichnet, am Montag den Kindern zurückgegeben, damit sie und ihre Eltern diese ebenfalls mit Unterschrift zur Kenntnis nehmen können.
Schlagworte:
fr_koop-3
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| ID: 3086 | hinzugefügt von Jürgen an 02:14 - 22.11.2007 |
| title: Freier Text - Baustein 2 der freinetpädagogische Entwicklungsreihe by Watzke, Michaela |
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| Titel: | Freier Text - Baustein 2 der freinetpädagogische Entwicklungsreihe |
| Autor: | Watzke, Michaela | Sprache: | deutsch |
| Quelle: | Klagenfurt | Quellentyp: | Artikel aus Zeitschrift |
| veröffentlicht am: | DD.MM.1999 | | |
| url: | |
Text:
Freier Text (17. Juni 1999 – 19. Juni 1999)
Am Donnerstag, den 17.6.1999 trafen sich wieder über 30 Lehrerinnen und Lehrer aus verschiedenen Schultypen, wie auch aus dem Kindergartenbereich, um am 2. Baustein der freinetpädagogischen Entwicklungsreihe teilzunehmen. Die zweieinhalb Tage standen unter dem Schwerpunktthema "Der freie Text". Als Referenten konnten die erfahrenen Freinetpädagogen Uschi Resch und Walter Hövel aus Deutschland gewonnen werden.
Schon in der Vorstellungsrunde, wo jeder sein Verständnis von freiem Text mitteilte, wurde uns klar, dass eine einheitliche Betrachtungsweise dieser Thematik kaum gefunden werden kann. Dies lag auch nie in der Absicht Celestin Freinets, der immer für die Vielfalt in seiner Pädagogik eintrat. Der Freiheitsbegriff zu Zeiten Freinets bezog sich auf eine "Befreiung von verschultem Lernen". Für ihn stand das Zulassen der Organisation des eigenen Lernprozesses im Vordergrund. Der Lehrer und die Lehrerin helfen bei dieser Organisation des eigenen Lernprozesses, indem sie Anregungen und Impulse geben und über ein Repertoire an Techniken verfügen, die es Kindern ermöglicht eigene Texte zu erstellen und darin Sinn zu erkennen. Texte werden für Kinder sinnvoll, wenn sie dazu dienen eigene Erfahrungen anderen mitzuteilen. Dies geschieht durch regelmäßigen Briefkontakt innerhalb der Klasse, mit Partnerklassen in anderen Ländern, durch Beiträge in eigenen Zeitschriften, durch Theateraufführungen, über das Internet usw..
So waren wir schon gespannt auf neue Techniken, die wir an uns selbst erfahren sollten. In vielen von uns keimten Ängste auf, ob uns das freie Schreiben gelingen würde. Erinnerungen an die eigenen Schulzeit stiegen auf, wo Aufsätze oft "konstruiert" und unpassende Umschreibungen gewählt wurden, um nur ja nicht zu viele Rechtschreibfehler zu machen. Andere waren wieder voll Schreiblust und freuten sich sehr auf das konkrete Handeln. Hier sollen nun einige der Techniken vorgestellt werden.
Alle Möglichkeiten (ABC, AB, AC, BC)
Jeder schrieb 3 Begriffe auf, die einem wichtig sind. Sie sollten in all ihren Kombinationen aufgeschrieben werden und zuletzt sollte ein eigener Schluss dazu gefunden werden.
Natur – Zufriedenheit – Lachen Leben – lieben - lachen
Natur und Zufriedenheit, Leben und lieben
Zufriedenheit und Lachen, Leben und lachen
Lachen und Natur, lieben und lachen
.......... was will ich mehr?
Die Texte wurden vorgelesen und siehe da, lauter kleine Kunstwerke waren entstanden und kein Text glich dem anderen.
Diese Texte könnten nun mit Bildern kombiniert werden, ja kleine Bücher könnten daraus entstehen. Die Darstellung der Begriffe in Pantomime ergab ein lustiges Rollenspiel. Und das alles mit nur 3 Begriffen! Wir staunten und waren überhaupt nicht sprachlos.
Lichterklangtext
Der Raum wurde verdunkelt, kleine Teelichter wurden angezündet und jeder betrachtete den Kerzenschein, während mit verschiedensten Materialien Klänge erzeugt wurden. Zu Licht und Klang sollte der Gedanke dazu aufgeschrieben werden. Anschließend erfolgte die Dichterlesung.
Wolkenscheinwörter
Wir setzten aus zwei Substantiven Wörter mit neuem Sinn zusammen.
Z.B.: Steinschauer, Wasserblitz, Augensturz, Zauberzapfen,.....
Aus dieser Wörtersammlung können einige Wörter ausgesucht und Geschichten damit geschrieben werden. Es entstanden Texte, Gedichte, Wetterberichte, Liebesbriefe.
Ich-Texte
Ich bin wie eine Lampe, nur nicht so hell.
Ich bin wie eine Nadel, nur nicht so spitz.
Ich bin wie mein Vater, nur nicht ......
Variationen:
Solche Ideen können im Sitzkreis gemeinsam entwickelt werden.
z.B. 2 Adjektive, dazu ein Bild, eine Tätigkeit, ein Aber-Satz.
Ich bin rund und groß,
ich bin ein Ball.
Ich kann ......,
aber ....... .
Der nächste Tag begann für alle von uns mit einer faszinierenden Farberfahrung. Wir hatten uns je nach Vorliebe für die Farbe Rot oder Blau in zwei Gruppen aufgeteilt und verschiedenste Gegenstände in diesen Farben mitgebracht. Der Morgen begann mit dem Tischdecken, wobei in getrennten Räumen auf rotem bzw. blauem Seidenpapier die Dinge nach Farbe getrennt aufgestellt wurden. Jede Gruppe setzte sich nun um ihren Tisch und jeder konnte seine Eindrücke, Gefühle und Wünsche mitteilen. Der gedeckte Tisch war Sprachanlass und auch Schreibanlass genug! Trotzdem einige Impulse:
Wir wirkt die Farbe auf jeden?
Welche Gefühle werden mit der Farbe verbunden?
Dialog der Dinge: Die blaue Vase unterhält sich mit dem blauen Handtuch
Blau unterhält sich mit Rot
Gespräch mit der anderen Gruppe
Freier Text
Es war uns ein Bedürfnis die zweite Farbe auch auf uns wirken zu lassen und jeder hatte so starke Eindrücke und Empfindungen, dass noch lange darüber gesprochen und geschrieben wurde. Solche Eigenerfahrungen sind in der Freinetpädagogik sehr wichtig. Über unsere eigenen Eindrücke und Erfahrungen können wir auch die Reaktionen anderer, besonders unserer Schüler besser verstehen und akzeptieren.
Uschi Resch stellte uns ein Walprojekt vor, das sie mit ihrer Klasse durchgeführt hatte. Ein Schüler schrieb eine Walgeschichte, die solchen Anklang bei seinen Mitschülern fand, dass sie beschlossen daraus ein Theaterstück entstehen zu lassen. Eltern fertigten die Kostüme an und nach einigen Proben wurde die Walgeschichte den Eltern vorgeführt. Wir konnten die Geschichte durch ein Video miterleben und anschließend entspann sich eine rege Diskussion über besondere Begabungen der Kinder und über die Korrektur von freien Texten.
Danach bestand die Möglichkeit in angebotenen Ateliers eigene Texte zu verfassen oder die Druckerei zu benützen. Ebenso standen einige Computer zur Verfügung, um auch auf diesem Weg Texte zu schreiben und zu gestalten. Die Pausen dienten nicht nur der Erfrischung, viele Erfahrungen wurden ausgetauscht und so manche fühlten sich in der Art und Weise ihres Unterrichts bestärkt.
Am Nachmittag lernten wir die Rasterlyrik kennen. Dabei sollte ein Text zu drei recht anspruchsvollen Begriffen (Freiheit, Ich, Sprache) geschrieben werden. Wir konnten einen beliebigen Platz wählen, die Atmosphäre sollte stimmig sein. Wieder zusammengekommen, setzten wir uns in kleinen Gruppen zusammen und lasen still die anderen vier Texte. Dabei suchten wir aus jedem Text eine Stelle, die uns besonders ansprach heraus und schrieben sie auf ein kleines Blatt. In der Zwischenzeit entstand an einer Wandtafel ein Rasterfeld wo Spalten und Zeilen mit unseren Namen versehen waren. Das jeweilige Zitat wurde nun in das richtige Feld geklebt. Bald war unser Raster voll. Nun schrieb jeder Teilnehmer der Gruppe einen neuen Text, wobei nur diese Zitate verwendet werden sollten. In der anschließenden Dichterlesung waren wir stolz auf unsere lyrischen Werke.
das ich war auf der suche nach der freiheit doch es lief gegen mauern
das ich war auf der suche nach seiner sprache doch es blieb stumm
das ich war auf der suche nach dir doch es fand dich nicht
die sprache war auf der suche der freiheit doch sie ging fehl
die sprache war auf der suche nach dem ich doch sie verirrte sich
die sprache war auf der suche nach dir doch du warst weg
die freiheit war auf der suche nach der sprache doch sie war unauffindbar
die freiheit war auf der suche nach dem ich doch es war verschollen
die freiheit war auf der suche nach dir und endlich warst du da
Da wir an diesem Tag sehr stark gefordert wurden, gingen viele von uns recht müde aber voll mit neuen Eindrücken und Erfahrungen nach Hause. Am letzten Seminartag lernten wir weitere Techniken des freien Textes kennen. Besonders ansprechend waren die Kettengeschichte, der Schementext und das Papierschnipselbild. Alle drei Techniken verbinden künstlerisch-kreative Elemente mit dem freien Text.
Der Schementext
Auf ein Blatt Papier soll nach Anleitung mit schräg gehaltenem Bleistift nur schemenhaft gezeichnet werden. Zuerst sucht man in Gedanken einen Ort in der Natur, an dem man sich sehr wohl gefühlt hat. Nun beginnt man schemenhaft zu zeichnen:
zuerst die Bodenlinie in die Mitte des Blattes
die Horizontlinie
den Himmel (mit Wolken,.....)
alles was sich unter der Erde befindet
alles was sich auf der Bodenlinie befindet
den Hintergrund
alles was tief unter der Erde sein könnte
sich selbst oder eine Kleinigkeit oder etwas Unsinniges, was nicht hineinpasst
Nachdem nun ein Bild entstanden ist, beginnt man in der gleichen Reihenfolge seine Gedanken dazu zu schreiben.
auf die Bodenlinie
auf die Horizontlinie
in den Himmel
......
In der Dichterlesung trägt jeder seine Gedanken in der Reihenfolge vom oberen bis zum unteren Rand des Bildes vor. Bild und Text sind zu einer Einheit geworden. Zu dieser Art von Text gibt es viele Variationsmöglichkeiten. Z.B. In der Großstadt, Phantasiewelt, eine Märchenszene, in Afrika...
Am letzten Nachmittag wurden wir in die Geheimnisse der Buchbinderei eingeweiht und stellten eigenhändig wunderschöne Mappen und Bücher her.
Wir alle waren beeindruckt, wie frei wir unsere Gedanken durch diese phantasievollen Techniken zu Papier bringen konnten. Uschi und Walter hatten uns auf einen neuen Weg geführt und uns Impulse und Anleitungen zum eigenen Beschreiten gegeben. Wir waren nicht nur gekommen um Techniken abzuholen, wir hatten sie durchlebt, erlebt und ihre Ergebnisse in unseren Händen und Köpfen. Kein Papier ist nötig um etwas nachzulesen, wir haben sie verinnerlicht. Das ist Lernen im Sinne von Celestin Freinet!
Vielen Dank an unsere Referenten Uschi Resch und Walter Hövel!
Michaela Watzke
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| ID: 3102 | hinzugefügt von Jürgen an 20:45 - 22.11.2007 |
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